Kein Titel.

Ein Morgen nach durchquälter Nacht. Gestern war zu viel Mate und Kaffee und anderthalb Folgen Stranger Things (was mal wieder jeder schon gesehen hat außer mir) und das erste richtige Sommergewitter des Jahres fegt durch die Straßen. Es durchdringt die Nacht mit dramatischer Melancholie und reinigender Nässe, aber eben auch laut. Durch das offene Fenster legt sich etwas Kühle über das Bett und auf meine erhitzte Haut, aber ich verstecke mich trotzdem unter der Decke, um nicht von den Monstern gefunden zu werden. Ich schlafe viel zu spät ein, hangle mich von Schlafphase zu Schlafphase und wache viel zu früh wieder auf.

Und eigentlich weiß ich nicht, was das zur Sache tut, weil wenn ich mich aus meinen eigenen dramatischen fünf Minuten wage, dann spüre ich es wieder, es ist wieder da, dieses Gewicht auf meiner Brust und alles, was man dann von sich gibt, wirkt so banal. Jetzt, da Menschen, die andere Menschen retten, eingesperrt werden, wo unsere Welt zu schmelzen und dem Untergang geweiht zu sein scheint; jetzt, da Plastik unser täglich Brot würzt. Ich verachte meine eigene Privilegiertheit und den Versuch, diese unkenntlich zu machen. Ich verachte meine eigene Maßlosigkeit und kann doch nicht aus meiner Haut und meinem ständigen Ich will und verachte meine Privilegien noch mehr. Auch deshalb gehe ich immer und immer wieder nach Ostafrika mit dem bösen Flugzeug. Das holt mich runter. Feminismus ist ein Privileg der westlichen Welt. Fairtrade auch. Bio auch. Maslows Pyramide steht auf recht stabilem Grund.

Ich weiß schon nicht mehr, wie ich mein Profilbild auf Facebook und Instagram richtig einstellen soll, damit ich meine Unterstützung allen ausdrücken kann, die sie bekommen sollten – Blau? Rot? #freeRackete? Wem soll ich gerade spenden, welche Petitionen unterschreiben, habe ich was vergessen? Können wir die Bienen bewahren, den Steuersatz für Periodenprodukte senken, können wir im Sudan Menschenleben retten. Können wir?

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