NYUMBANI V

ich zerlaufe. echt jetzt. ich bin zwei sekunden barfuß über steine gelaufen und bin ziemlich sicher, dass ich jetzt brandblasen an den füßen habe. ich bin mal wieder nur mit handgepäck unterwegs, habe also schon zweimal meine finger fast blutig gewaschen vor lauter reiberei. ist bei einer weißen bluse blöd. dafür war alles nach drei sekunden getrocknet, nachdem ich’s auf die leine gehängt hatte. ich bin überall staubig, meine nase ständig leicht verstopft und wenn ich abends denke: heute sind deine füße aber braun geworden, und sie dann unter fließendes wasser halte, sind sie mir nichts, dir nichts wieder beinahe weiß. der staub trügt.

den weltfrauentag in tansania zu verbringen, verschiebt die perspektive schon nochmal in eine ganz andere richtung. nach außen patriarchat, ziemlich ekliges sogar, nach innen matriarchat. eigentlich haben die meisten frauen nichts zu sagen, müssen kuschen, kochen, kehren. aber gleichzeitig sind die frauen die, die alles in der hand haben, die alles managen und in ordnung halten und den durchblick haben. von unserem standard können die frauen hier nur träumen. heißt trotzdem nicht, dass wir uns darauf ausruhen können. heißt nur, dass wir in anderen ländern dieser welt noch viel anstrengungen aufbringen müssen. und das ist durchaus schockierend.

baby sagt er manchmal. ich bin mir ganz sicher, das hat er von mir gelernt. und weil ich nun glaube, eine sehr gute lehrerin zu sein, wollte ich ethan noch ein deutsches wort beibringen, ich dachte an scheiße. dann dachte ich: quatsch, sowas machen nur dummbatzen und versuche sehr geduldig, ihm liebe beizubringen (auch mit mütterlicher zärtlichkeit). ein leises liema kommt ihm hin und wieder über die lippen. ich arbeite dran, weil: spread the love und so.

und dann frage ich mich viel. ich würde jemand anderen fragen, aber niemand weiß das so genau. ich weiß gerade nicht, warum manche menschen an der liebe festhalten, wenn sie giftig ist. wenn gefühle wie lose fäden um den kopf gewickelt sind. warum bleiben manche menschen, wenn sie wissen, dass sie gehen müssten. wenn sie kurz davor sind, ihr geld und ihre würde zu verlieren und dann auch noch sich selbst.

ich weiß nur, dass liebe am telefon auch weh tut, aber anders: weil sehnsucht süßlich schmerzt.

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