NYUMBANI II

hellwach liege ich mitten in der nacht im bett. ich will morgen um acht uhr in die kirche gehen, ich wollte das die vergangenen jahre immer schon machen, hier zur kirche gehen, aber es kam immer was dazwischen, ein drink, ein tanz, ein stündchen zu viel, und schon weicht der sonntagmorgen unbemerkt, weil verschlafen, dem sonntagmittag. ich bin gerade wieder in der typischen anti-phase angelangt, die sich immer einstellt, wenn ich hier bin. alles nervt mich. der strom ist ausgefallen, das wifi ging deshalb nicht, ich konnte nicht weiterarbeiten, die sim-karte ging nicht, ich konnte meine freundin nicht anrufen, der vodacom-shop war zu, ich konnte den b nicht erreichen, ich kann heute nicht damit umgehen, dass alle mich anschauen und ansprechen und mehr geld wollen als von anderen. immer kommt er, dieser punkt, an dem ich mich frage, was zur hölle mich eigentlich jedes verdammte mal dazu bringt, hierher zu fliegen. und dann sitze ich da in diesem café, telefoniere beinahe eine stunde mit einer schönen stimme und esse frittiertes, trinke coke und treffe diese ganzen leute wieder, die ich jedes jahr treffe, die meistens nichts besseres zu tun haben, als den ganzen tag durch die stadt zu streunern und manchmal ein bier zu trinken oder auch nicht, sich aber zumindest irgendwo hinsetzen und palawern und ehe ich‘s mich versehe, sind drei stunden vergangen. ich bin jetzt bestens mit gossip, austauschbaren komplimenten und kurzkettigen kohlenhydraten gefüttert und ich habe mich erkundigt: der strom im haus geht wieder. ich schwinge mich dezent beschwingt auf ein motorrad und lasse mich nach hause fahren. für heute ist der punkt überwunden. und je länger ich hier bin, desto flacher gestaltet sich der scheißdreckskack-peak und wird übertönt vom juhu meines glückshormonchemiebaukastens. und beim abendessen sitzt auf einmal eine frau mit am tisch, die beim wwf arbeitet und von überfischung erzählt und wie man gesetze dagegen durch die selbstregulierung in der community durchsetzen kann. und wenn ich jetzt noch diese mücke aus meinem moskitonetz bekomme, dann bin ich ja beinahe selig.

ps. ich war in der kirche. anderthalb stunden messe. die musik etwas afrikanischer, das kirchenschiff etwas kitschiger, keine orgel, der weihrauch raucht zwar, aber riecht nur nach rauch, nicht nach weih. aber ansonsten gleich. viel knien, viel stehen, du sünder! und all sowas. ich glaube, es ist karma, dass ich ausgerechnet jetzt rückenschmerzen bekomme.

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