NYUMBANI I

ich wollte die abwesenheit aus dem gewohnten mal wieder nutzen, um – von der ferne inspiriert – ein paar worte zu verlieren, zu sortieren und hier festzukleben. das übliche halt. kaum bin ich weg, ist mein kopf kreativer. ich würde eigentlich auch gar keine fotos mehr machen, weil alles sieht ja aus wie immer. ich brauch ja nur welche zum bebildern meiner texte. weil wer liest schon texte ohne bilder?

nyumbani ist swahili und heißt zu hause. nach nicht einmal einem jahr bin ich wieder hier und immer wieder sagt sie im auto „finally you‘re nyumbani.“ und ja, es fühlt sich tatsächlich ein bisschen an wie zu hause, so oft war ich schon hier. aber nicht oft genug, als dass das alles hier doch fremd bleibt. es ist diese innere spannung, das immer wieder vergessen, dass ich auf der straße angestarrt werde, das immer wieder erstaunt sein über das laisser-faire, die immer wieder aufsteigende und doch heruntergeschluckte träne, wenn ich das schild am flughafen sehe, was mich hierher wieder zurückbringt (und diesmal auch noch was sinnvolles wie arbeit). ich frage mich, was passiert, wenn diese fremde eines tages der gewöhnung weicht – bin ich dann vollständig angekommen oder vollständig entfernt?

ich habe schon mehreren kakerlaken neben dem esstisch und dem bett grüßgott gesagt, aber ich hab nichts gegen sie (und schon gar nichts, was hilft), außerdem hat b gesagt, dass man sie nicht tottreten soll, weil man dann die eier verteilt. strom und wlan haben auch schon mal grüßgott gesagt, dann aber auf wiedersehen.

ethan ist schon so groß, dass er beim laufen nicht mehr umfällt und manchmal kommen etwas wie sätze aus seinem mund. ethan und ich sprechen verschiedene sprachen, er spricht baby-swahili und ich englisch, warum auch immer, er versteht es so wenig wie deutsch oder chinesisch. stattdessen spielen wir einfach wortlos, nur „hör auf“ und „komm her“, das kann ich. mein „nein“ wäre ihm ohnehin in jeder sprache egal.

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