Lesbaar im Januar

Benedict Wells Vom Ende der Einsamkeit

Der Winter ist einfach zum Lesen da. Weil kalt. Weil dunkel. Weil eben. Literarisch gesehen war der Januar sehr ergiebig. Ich habe eindeutig mehr gelesen als geschrieben, nutze aber meinem Job als Legitimation. Lesen ist für mich Studie am beschriebenen Objekt. Und weil das alles ausnahmsweise mal nicht nur völliger Schund war, gibt’s jetzt fünf Bücher, die ich mir bisher im Januar zu Gemüte geführt habe. Für jeden was dabei – vom Thriller über eine feministische Essay-Sammlung bis zur Liebesgeschichte. 

Jan Philipp Reemtsma: Im Keller 

Auf dieses Buch bin ich über den Podcast Zeit Verbrechen gekommen (Suchtgefahr!). Die Entführung des Jan Philipp Reemtsma, der 33 Tage in einem Keller ausharren musste, ist eine der bekanntesten Entführungsgeschichten Deutschlands. Und weil Reemtsa ein kluger und reflektierter Mann ist, verarbeitet er die Entführung auf eben jene Weise in diesem Buch. Wenn man sich as ganze Buch über vor Augen führt, dass das wirklich passiert ist, dass dieser Mann all das wirklich erlebt hat, ist zum einen erstaunlich, wie emotional und distanziert zugleich er darüber berichten kann und wie furchtbar diese 33 Tage gewesen sein müssen. Den Podcast empfehle ich übrigens auch sehr, es geht um eine Be- und Durchleuchtung deutscher Kriminalfälle. Spannend, psychologisch, unfassbar. Unten könnt ihr direkt reinhören. 

Bret Easton Ellis: American Psycho

Dieses Buch ist vor allem eins: krank. Kein Wunder, dass das jahrelang auf dem Index für jugendgefährdende Schriften stand (allerdings glaube ich, dass jemand, der anfällig für Gewalt-Trigger ist, keine 500 Seiten in einem Roman liest). Wer den Film gesehen hat, kann sich nicht einmal annähernd vorstellen, wie krank das Buch tatsächlich ist. Die detaillierten Beschreibungen von bestialischen Vergewaltigungen, Folterungen und Morden (mit Ratten, Schlagbohrern und sonstigen Hilfsmitteln) haben mich etwas verstört zurück gelassen. Doch in seiner Krankhaftigkeit ist das Buch literarisch nunmal grandios.

Rebecca Solnit: Wenn Männer mir die Welt erklären 

Eine feministische Essaysammlung. Nein, das heißt nicht sowas wie: Männer sind alle scheiße. Es geht um strukturelle Probleme, die Frauen oft in den Hintergrund der Gesellschaft drängen. Gewalt an Frauen, von Männern ausgeübt, das Verschwinden der Frau hinter der Burka, im Stammbaum, in sonstigen Lebensbereichen. Gut und clever geschrieben. Das kann man ganz gut mal zwischendurch lesen, nicht so dick, aber aufschlussreich. Aufgrund dieses Buches haben Leserinnen wohl auch das Wort mansplaining verbreitet. 

Caroline Kepnes: You – Du wirst mich lieben

Das Buch, auf dem die Netflix-Serie basiert. Joe ist ein Starker, der Beck auflauert und sie tatsächlich dazu bringt, mit ihm eine Beziehung einzugehen – denn sie weiß nichts von seinen Methoden, sie hält ihn einfach für einen netten, aufmerksamen jungen Mann. Joe steigert sich aber gern mal in Dinge rein und auch ein, zwei Tote sind im Laufe des Buches zu beklagen. Einiges in der Geschichte wurde verändert, Joe ist im Buch nicht ganz so liebenswert wie in der Serie, Beck noch ein wenig, naja, sagen wir, psychisch belasteter. Alles in allem sind die Charaktere etwas vielschichtiger. Wenn man die Serie schon gesehen hat, kann man ja leider nicht mehr unvoreingenommen lesen und sieht die ganze Zeit Dan aus Gossip Girl vor seinem geistigen Auge. Das ist schon auch ein wenig krank, aber wenn man ein paar Tage zuvor erst American Psycho gelesen hat, kann einen so schnell nichts erschüttern. Lohnt sich auf jeden Fall.

Benedict Wells: Vom Ende der Einsamkeit 

Mein persönliches Highlight im bisherigen literarischen Januar. Ich habe es nicht weglegen können, habe die halbe Nacht gelesen und ehrlich gesagt geheult. So richtig. Das ist eine Liebesgeschichte, eine Geschichte über Geschwister, aber auch und vor allem eine Geschichte über Einsamkeit, über den Tod und das Sich-selbst-im-Leben-falsch-fühlen. Wunderschön geschrieben. Eine Geschichte, in die man sofort eingesaugt wird und dann nur schwer wieder herauskommt. Unbedingte Empfehlung. Übrigens auch von Wells ist Becks letzter Sommer und Spinner, auch die sind lesenswert, finde ich. Der Wells kann’s halt einfach.

So. Danke für eure Aufmerksamkeit, ich gehe jetzt wieder lesen. Ach, und ja: Ich habe meine Bücher nach Farben sortiert.

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