14 Korinthenkacker

„Achte auf Deine Gedanken, denn sie werden Worte. 

Achte auf Deine Worte, denn sie werden Handlungen.“ (Aus dem Talmud)

Ich bin ja eh ein Wort-Freak. Wörter haben für mich definitiv mehr Schwere als die Luft, die sie transportiert und ich wünsche mir oft, dass unsere Sprache sich dessen bewusst wird. Und dann höre ich andere so reden: Behindert. Schwuchtel. Wir werfen mit Wörtern um uns, ohne uns im Klaren darüber zu sein, dass sich ein Mensch, der tatsächlich mit einer Behinderung lebt, es vielleicht nicht so cool findet, wenn man dieses Wort als Beleidigung benutzt (schließlich ist es ja für diese Person gelebter Alltag). Ich kann mir auch vorstellen, dass ein Mann, der mit seinem Coming out vermutlich ohnehin übelst gestruggelt hat, es nicht so gut findet, wenn man andere Menschen wahllos als Schwuchtel bezeichnet. 

Wir leben doch in einer Welt, in der wir offen und tolerant sind (also außer die paar Braunen und Blauen und die „aber man wird ja wohl noch sagen dürfen“) und benutzen dann Wörter über Lebensweisen oder Eigenschaften, die wir längst als normal akzeptiert haben, als Schimpfwörter? 

Ich habe mich lange über das Gendern lustig gemacht, aber je mehr ich darüber mit anderen Menschen verschiedener Ansichten gesprochen habe, desto häufiger habe ich ein Innen oder *nnen eingefügt. Die deutsche Sprache ist nunmal sehr männlich. Und wenn wir uns Gedanken über die Gleichberechtigung machen, dann hört das eben nicht bei der Gender Pay Gap auf oder damit, dass wir ja eh vor hundert Jahren Wahlrecht bekommen haben, sondern geht bei dem Alltäglichsten unseres Tuns, nämlich dem Kommunizieren, Sprechen, Schreiben weiter. Sprache, die grundsätzlich bestimmte Gruppen ausschließt oder diskriminiert, versuche ich also zu vermeiden. 

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