Mexikanische Fingerübungen I

Muss mal wieder was schreiben. Fingerübungen halt, diesmal aus Mexiko. Ja genau, Finger und Mexiko, haha. Von da aus was zu schreiben, bietet sich an, es gibt was zu erzählen, wenn man unterwegs ist.

Ich weiß es nicht genau, aber 48 Stunden waren wir bestimmt unterwegs, um von Deutschland hierher zu kommen. Mein Kopf kann eh schon kaum rechnen, aber jetzt noch weniger. Stunden und Tage sind einfach über den Wolken verschwunden. Der Flug hatte 17 Stunden Verspätung, wo gibt’s denn sowas? Bei Lufthansa, da gibt’s sowas. Alle steigen ein und dann wieder aus, die Nacht wird kurz am Abflugort verbracht, der Tag wird lang im Flugzeug vertrödelt. War Odysseus je in Mexiko?

Tag und Nacht haben sich überschlagen, sich gegenseitig überholt, einer hat gewonnen, mein Körper hat nur noch nicht verstanden, wer. Ich bin müde. Ich trotte umher. Ich genieße das. Müdigkeit ist ja sonst nicht erlaubt.

Schwaden von Weihrauch und billige Seife (oder WC-Reiniger?) wehen aus Hinterhöfen und Hauseingängen. Die Häuser sind bunt, die Innenhöfe tief, die Kirchen prächtig, die Totenköpfe bunt. Es ist schön hier. Brutal schön.

Nur eines stört: seit einiger Zeit ist Fremde für mich nicht mehr das, was sie mal war. Je öfter man in der Fremde ist, umso ähnlicher wird sich alles Fremde, verwischt und verschmilzt, bis mein Zuhause zum einzigen Ort wird, der anders ist als alle anderen Orte dieser Welt. Die Sehnsucht nach Zuhause ist diesmal sowieso eine andere. Weniger geografisch.

Wie schön es ist, endlich angekommen zu sein. Sonne. Farben. Diese Frauen neben mir. Das Fremde in der Fremde entdecken. Ich werde es wieder finden; ganz sicher.

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