Sommer mit Lama

Grillen an der Isar

Es ist Sommer. Meine liebste aller Jahreszeiten. Weil ich endlich keine kalten Hände mehr habe. Und weil wir uns alle draußen treffen und das Leben auf einmal so leicht aussieht, wenn wir auf einer Decke irgendwo am Wasser sitzen und die einzige Pflicht ist, es schön zu haben. Na gut, dann machen wir das eben.

Wir sitzen an der Isar, bei Sonnenmilch und Erdbeer-Limes; wir packen Proviant aus, da können die anderen einpacken. Die Gastgeberin sitzt in der Mitte, sie ist kürzlich alt und weise zugleich geworden, das muss man auch erstmal schaffen, bei gleichzeitiger Erhaltung der Schönheit. Meistens werden die Menschen alt und von Weisheit dürfen sie nur träumen und runzlig sehen sie dann auch noch aus. Herr Ernst von Leben hat sie schon angerufen, der wollte bei ihr vorstellig werden, aber das wollte sie, glaube ich, nicht. Also noch nicht, nicht heute oder morgen. Am Montag sehen wir weiter. Nur, weil man jetzt weise ist, kommen sie auf einmal alle an und wollen was!

Wir lieben uns alle sehr und Liebe macht durstig, also trinken wir viel, man darf auf keinen Fall dehydrieren. Und wenn man dann noch die Strahlenbüschel der Sonne einkalkuliert, die trocknen so einen Körper ja auch aus, dann ist Trinken noch viel wichtiger; da machen wir uns lieber nichts vor. Unvernünftig sind wir nunmal nicht, das ist bekannt, also halten wir uns stets befeuchtet, von innen. Wir haben auch ein Lama dabei, die Gastgeberin mag keine Hunde oder Katzen, also hat sie sich eines dieser Peruanischen Kameltiere angeschafft. Das hier hat zwar kein Fell, aber dafür kann es fliegen und weht zufrieden (oder dümmlich?) grinsend durch die Münchner Luft und erfreut sich enormer Beliebtheit bei Groß und Klein – aber immer schön lieb sein! Ein bisschen tanzt es auch synchron mit den Seifenblasen zu der Musik, die wir aus kleinen Boxen hören und damit möglicherweise allen anderen sich hier Aufhaltenden etwas auf die Nerven gehen. Und als wir in schönstem Einklang auch noch mitsingen, lieben sie uns bestimmt genauso sehr wie wir uns gegenseitig. Was könnte man nur gegen Shania Twain oder Britney Spears in melodischer Harmonie mit unseren Goldkehlchen einzuwenden haben? Tanzen können wir übrigens auch, nur so als weitere Information.

Als es dunkel wird, packt jemand einen Grill aus (wenn man das zart konstruierte Alu-Ding denn als solchen bezeichnen will). Leistungsfähig ist diese Schale nun wirklich nicht; es sieht aus, als würde die Grillmeisterin für die Bewohner eines Puppenhauses Gemüse schwärzen. Jeder bekommt in etwa einen Pilz und ein Stück Paprika und ein Zucchini-Scheibchen. Weil das Gemüse und die Pilze und das alles keinen einzigen Magen befriedigend sättigen können, gehen wir im Pulk zum Pommes essen. Und das, obwohl Pommes gerade so ein knappes Gut sind, weil es nicht regnet und die Kartoffeln so mickrig sind. Man kann nunmal nicht alles haben – entweder hat man eben Pommes und schlechtes Wetter oder einen Sommer, wie er im Buche steht, und dafür keine Pommes. Ich will lieber Sommer, wochenlang, da brauchen wir nicht drumrum reden. Trotzdem stopfen wir uns mitten in der Nacht (eigentlich sind wir schon weit über die Mitte der Nacht hinausgegangen) noch sämtliche Pommes rein, die wir hier kriegen können; da wacht man am nächsten Morgen bestimmt verfettet auf. Aber macht nichts, das ist vielleicht das letzte Pommes-Mahl für dieses Jahr.

Weil wir so innig von der Sonne geküsst wurden und die Hydrierung auch Ausdauer benötigt und weil wir alle ganz dicke Pommes-Mägen haben, sind wir so müde, dass wir die Augen kaum aufhalten können und die Münder kaum geschlossen (wegen der Gähnerei und so). Lama lässt auch schon ein wenig den Kopf hängen, wer könnte es ihm verübeln, er war der Star des Tages, von so viel fame muss man sich erstmal erholen. Weil der U-Bahn-Fahrer nichts von unserer Müdigkeit hält und die Fahrpläne nicht an unseren Biorhythmus eines Samstagabends angepasst sind, müssen wir noch eine Ewigkeit warten. Ich jongliere noch ein bisschen im U-Bahn-Schacht und könnte damit sicherlich in einem Zirkus auftreten. Also in einem sehr, sehr schlechten Zirkus. Vielleicht ein Zirkus, in den Menschen nur gehen, wenn sie dafür Geld bekommen. Wir hätten sogar einen Hut dabei, den ich vor mich stellen könnte, aber der fährt gerade mitsamt Lama und seinem Frauchen auf einem Dreirad Richtung Ewigkeit.

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