Von der Verantwortung, ein guter Freund zu sein

affen freunde

“Weißt du, ich höre auf deine Meinung”, sagt er, “das nehm’ ich mir schon zu Herzen.” Wow, denke ich, er hört auf mich, mein bester Freund, wie cool. Und gleichzeitig merke ich: Etwas falsches zu sagen, das ist da halt nicht drin. Ein guter Freund zu sein ist eben eine verantwortungsvolle Aufgabe.

Je näher man einem Menschen (platonisch) kommt, desto größer wird auch die Verantwortung, die man diesem Menschen gegenüber trägt; das wird mir immer bewusst, wenn mich meine besten Freunde um Rat fragen. Ich kenne sie ziemlich gut; ich würde behaupten, sogar in- und auswendig. Ich bin halt auch mehr so der Typ für intensive Zweier- oder Dreier-Freundschaften als für große Gruppen. Weil: ich möchte einen Menschen in Gänze erfassen, will Leidenschaften teilen und vor allem auch Schwächen. Eine Freundschaft ist für mich erst dann so richtig tief, wenn man schamlos alles auf den Tisch packen kann. Dazu gehören Schwächen, Themen, für die man sich schämt, abstruse Gedanken, die man mit sonst niemandem teilen könnte. Solche Menschen hat man nicht viele im Leben, das ist ein Geschenk – und gleichzeitig eine Investition. Richtig gute Freundschaften funktionieren nun mal nicht, wenn man man nichts hineingibt. Etwas, was man in eine Freundschaft investieren sollte, ist in meiner Vorstellung vor allem Aufmerksamkeit: Das ist das Mitgehen, Mitfühlen, Mitleiden und Mitlachen. Eben das Teilhaben am Leben des anderen. Nicht jeden Tag und ständig, sondern manchmal vielleicht dosiert, aber wenn, dann so richtig. Freundschaft, das sind für mich die Menschen, deren Namen mir einfallen, wenn ich mich überirdisch freue oder unglaublich traurig bin. Das sind die Menschen, mit denen ich all meine Hochs und Tiefs zu allererst teilen will. Das sind die, die da sind, immer und überall. Ich habe das unfassbare Glück, eine handvoll solcher Menschen zu haben.

In den vergangenen Jahren habe ich auch verstanden, welche Freundschaften gut für mich sind. Und nur, wenn diese Freundschaft beiden Parteien gut tut, kann sie auch wachsen und mehr als eine flüchtige Bekanntschaft sein. Da müssen für mich erstmal die Werte übereinstimmen, man muss irgendwie eine ähnliche Weltsanschauug haben und vielleicht auch noch ähnliche Freizeitbeschäftigungen, dann kann da schon mal was draus werden. Die Beziehungen zu manchen Menschen, die ich vor ein paar Jahren noch als Freunde bezeichnet hätte, haben sich mit der Zeit vielleicht aufgelöst, dafür sind neue gekommen; der Kreis wird immer heimeliger.

Wenn mich einer meiner engen Freunde also um meine Meinung bittet, überlege ich genau, was ich sage. Also das tue ich immer, aber ich spüre hier noch mehr Verantwortung. Irgendwas lapidar dahin gesagtes ist da nicht drin, finde ich. Wenn man jemanden kennt, weiß man immerhin um Stärken und Schwächen und weiß auch, wie man diesen Freund  verletzen kann. Vielleicht steigere ich mich da manchmal auch zu sehr rein, bis zu involviert, zu emotional eingebunden. Wenn eine Freundin Schwierigkeiten in ihrer Beziehung hat und mir davon erzählt, habe ich immer den Drang, ihre Probleme zu lösen und zermartere mir das Hirn, um eine Lösung auf dem Silbertablett zu servieren. Ich muss mich selbst immer daran erinnern, dass ich das nicht kann und dass das auch nicht meine Aufgabe ist. Das würde ich ja auch nie von meinen Freunden erwarten (naja, manchmal wär’s schon schön, wenn mir jemand Entscheidungen abnimmt, aber hinterher will ja immer keiner schuld sein…). Je enger man sich ist, desto weniger objektiv kann man Situationen natürlich auch abschätzen, eben weil man den anderen so gut kennt. Das hat ganz großes Potenzial und birgt gleichzeitig enorme Gefahr. Das soll nicht die Leichtigkeit einer Freundschaft nehmen, das soll nicht die Bürde enger Beziehungen aufzeigen. Ich finde einfach, dessen sollte man sich bewusst sein. Nicht mehr und nicht weniger.

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