back home in tanzania

Ich bin wieder hier. Wollte ich doch gar nicht. Hab aber eine Auszeit gebraucht. Von allem. Und da gibt’s halt diesen Ort, von dem ich weiß, dass er mir gut tut.

Schon auf dem Weg zum Flughafen muss ich mich an das Alleinsein gewöhnen. In den letzten Wochen und Monaten war ich ununterbrochen von Menschen umgeben, weil ich das so wollte und weil es auch gut für mich war, und ich war immer in Bewegung. Ich habe mich ununterbrochen abgelenkt, ohne Pause bin ich von hier nach dort gerannt. Und plötzlich ist da nichts mehr, keine Menschen, die ich kenne, keiner, der meine innere Stimme zu übertönen vermag. Ich stehe auf einem Flughafen zwischen tausenden umhereilenden Menschen und bin so einsam wie lange nicht. Ich spüre und höre mich seit langem wieder. Was ich fühle und höre, ist mir eigentlich gerade lästig. An diese – meine eigene – Gesellschaft muss ich mich wieder gewöhnen. Ich kann mich ja schließlich nicht davon trennen.

Auf der Flughafen-Toilette riecht es scharf nach verirrtem Urin und gleichzeitig, als hätte jemand seinen nervösen Darm kurz vor dem Flug noch beruhigen müssen. Immer das gleiche, auf jedem Flughafen der Welt. Auch hier in Stuttgart und Istanbul. Ein Blick in den Spiegel, ich bin alt geworden, ein bisschen verbraucht. Kein Make-up heute, das das versteckt. Ein paar rote Flecken auf den Wangen, aber auch ein kleines Leuchten im Auge, ein Anflug von überbordender Vorfreude.

Schräg hinter mir schnarcht ein mittelalter Herr etwa drei Stunden im Rhythmus der Turbinen und meine Nerven sind zum Zerreißen gespannt. Muss das denn sein?! Ich stopfe mir die Kopfhörer ins Ohr und stelle die Lautstärke der Blues-Musik fast auf Anschlag; so klappt es beinahe, die kehligen Grunzlaute auszublenden.

Und dann werde ich aus dem Bauch des Flugzeugs gespuckt, in die humide Luft Tansanias während der Regenzeit, die sich feucht und schwer auf die Fasern meiner Kleidung legt und meine Atmung dunkler werden lässt.

Auf dem Weg in meine Unterkunft kann ich noch nicht einmal etwas erkennen, da es stockdunkel ist und damit tritt auch das wohlige Gefühl der Erinnerung erst ein, als ich ins Haus laufe, wo alles genauso aussieht wie vor zwei Jahren. Und vergangenes Jahr. Ich bin Zuhause.

Am nächsten Tag bin ich von der Weiße meiner eigenen Beine geblendet, normalerweise wäre das ein Grund, ständig angesprochen zu werden. Das sehen die Locals hier, dass man erst aus dem Flieger gestiegen ist, und rechnen sich ihre Chancen höher aus, jemand Unwissenden zum Kauf oder zur Mitfahrt zu bewegen. Aber ich bin ja nicht unwissend, deshalb nehme ich Eva mit und schon hält sich die Belästigung in Grenzen.

Ich muss mich wieder an die Langsamkeit gewöhnen, an das Rumhängen, das ich verlernt habe (ich konnte es ja eh schon nicht gut). Aber jetzt will ich Runterkommen, mich nicht verpflichtet fühlen, machen, worauf ich Lust habe und mir Zeit lassen. Nicht mit 15 Stundenkilometern durch die Stadt rennen und auch nicht jeden Handgriff effizient gestalten. Das wäre doch was. Ich bin guter Dinge, dem näher zu kommen.

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