Weihnachten I – Das Plätzchen-Massaker

Frohe Weihnachten

Ich bin manchmal nicht schlauer als eine Laborratte. Laborratten bekommen zum Beispiel Stromstöße, wenn sie irgendwo drangehen und gehen dann – logischerweise – nicht mehr dran. Bei mir funktioniert das oft nicht so gut. Ich will jetzt nicht sagen, die Laborratte ist schlauer, aber ja, die Funktion meines Gehirns lässt von Zeit zu Zeit derartige Schlüsse zu.

Die Sache mit dem Plätzchenbacken funktioniert bei mir nämlich genau so. Ich freue mich jedes Jahr unheimlich auf das Plätzchenbacken. Das ist so ein Ritual, das ich mit meiner Mutter habe. Wenn ich also zum alljährlichen Backtermin zu Hause ankomme, hat sie immer schon den Teig fertig vorbereitet und wir bearbeiten ihn dann nur noch. Ich backe gerne. Also eigentlich. Ich backe halt gerne Kuchen, und das sind nun mal völlig unterschiedliche Dinge. Ja, beides besteht aus Teig, beides muss im Ofen gebacken werden. Aber! In meiner Vorstellung ist es eine ganz wunderbare Tätigkeit, kleine Kekse zu formen und schön zu dekorieren. Ich mag feinmotorische Arbeiten. Aber: die Laborratte lässt grüßen. Ich vergesse nämlich jedes Jahr wieder, dass das nur in meiner Vorstellung wunderbar ist.

Denn schon das Ausrollen ist für mich ein Graus. Der Teig klebt an der Rolle, ich reiße Löcher in die Masse und mehle, was das Zeug hält. Das liegt nicht an der Teigvorbereitung meiner Mutter, sondern einzig und allein an meiner Ungeduld. Weil ich mal gehört habe “Viel hilft viel”, bemehle ich auch gleich noch den ganzen Küchenboden. Innerhalb kürzester Zeit ist alles weiß und staubig und alle Menschen in der Küche husten und versuchen durch wildes Herumfuchteln, das Mehl in der Luft beiseite zu schaufeln. Mir sind da Butter-S lieber, kennt ihr vielleicht. Das geht ganz gut, da muss man nämlich nicht mit der Teigwalze drüber, da kann man frei Schnauze einfach Wellen legen, S halt, wie der Name schon sagt. Das schafft sogar eine gut dressierte Laborratte. Die Sache mit dem Ausstechen ist da schon eine andere. Zu Beginn verwende ich noch die kleineren, aufwändigen Ausstechformen, eine Krippenszene mit Jesuskind und Esel und Maria und Josef und so. Mit Verstreichen der Zeit und Verblassen der Motivation werden die Ausstechformen immer größer und einfacher. Aus der zwölfzackigen Sternschnuppe wird eine Herzform und schließlich ein Vollmond. Nach etwa zehn Plätzchen verliere ich dann völlig die Lust. Die Ratte in mir erinnert sich. Dieses immer gleiche Ausstechen, diese Kleberei, diese Teigreste, die am Ende übrig bleiben und wieder ausgerollt und ausgestochen werden müssen – ähm; nein, danke. Am liebsten ist mir der Moment, wenn wir das Blech in den Ofen schieben und es so langsam im ganzen Haus herrlich nach knusprigen Plätzchen duftet. Denn wenn das Gebäck herausgeholt und abgekühlt ist, ist mein Moment gekommen: Das Verzieren. Ich würde behaupten, dass das eher meinen Fähigkeiten entspricht. Ein bisschen pinseln, streuen, malen, tupfen – das ist fast wie Kunscht.

Eines kann ich übrigens beim Plätzchen backen besonders gut, fast noch besser als Dekorieren: das Probieren. Ich kann unheimlich gut den Teig kosten und fachlich wertvolle Analysen abgeben. Außerdem – und das ist jetzt wirklich clever (ich muss ja das Laborratten-Image loswerden): je mehr Teig man im rohen Zustand verspeist, desto weniger bleibt zum Ausrollen übrig. Und auch die frisch gebackenen, ofenwarmen Plätzchen kann ich wirklich gut testen. Gerne gebe ich hierzu meine kulinarischen Kenntnisse preis; etwas wie „Ooooh… Mmmmh…“ und so halt. Ich nenne das Qualitätskontrolle.

Dieses Jahr werde ich auch wieder mit meiner Mutter backen. Mann, ich freue mich so krass drauf, das könnt ihr euch gar nicht vorstellen.

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