elf: heute hole ich tief luft.

Adventskalender 11

Atmen ist etwas, das ganz automatisch passiert. Man muss eigentlich nicht darüber nachdenken. Manchmal wäre es aber ganz gut, darüber nachzudenken.

Im Pilates und im Yoga ist die richtige Atmung ganz essentiell. Nicht, dass ich mich mit beidem besonders gut auskennen würde, aber zumindest das mit dem Atmen habe ich bei meinen paar Stunden gelernt. Oft fiel es mir schwer, in der Anstrengung die Luft nicht anzuhalten, sondern gleichmäßig und ruhig weiter zu atmen. Wenn ich es allerdings geschafft habe, habe ich gespürt, wie viel leichter und gelassener ich in der jeweiligen Haltung wurde. Ich habe gelernt, dass es nicht nur darum geht, automatisch ein- und auszuatmen, sondern mit Bedacht Körper und Geist durch bewusste Atmung ruhig und entspannt zu mehr Leistung zu bringen.

Mir geht es heute nicht um eine Atemtechnik, ein bestimmtes System, wie man Luft zu holen hat. Mir geht es heute lediglich um das Wahrnehmen, wie gut bewusstes Atmen tut. Wenn man tief Luft holt (das geht am besten, wenn man in den Bauch atmet), spürt man seinen Körper. Man fühlt, wie die Luft die Lungen füllt, gleichzeitig den Kopf belüftet und ruhiger macht.

Dass die Atmung Kopf und Körper beeinflusst, sieht man zum Beispiel, wenn man Angst hat. Angst ist meist mit flacher oder unregelmäßiger Atmung verbunden. Aus Angst wird Erregung, wenn man Luft holt. Wenn man wütend ist, atmet man oft zu schnell und flach. Wenn man es schafft, sich selbst in seiner Wut kurz daran zu erinnern, seine Atmung zu kontrollieren, kann Wut in ein weniger starkes Gefühl gewandelt werden. Das ist übrigens keine wissenschaftliche Erkenntnis, sondern subjektive  Erfahrung.

Atmen hält uns nicht nur am Leben, Atmen kann noch viel mehr. Wenn man den ständig unterbewusst ablaufenden Prozess ans Bewusstsein holt und gezielt steuert, wird die Banalität des Luftholens zu einem stimmungsverändernden Werkzeug. Also machen wir das doch am besten. Jetzt. Sofort.

Heute holen wir ganz tief Luft. Wir halten genau jetzt, in diesem Moment, kurz inne. Wir schließen die Augen und nehmen fünf ganz tiefe Atemzüge – ein und aus, ein und aus, ein und aus, ein und aus, ein und aus. Wir spüren, was dabei mit unserem Körper passiert und vor allem, wie die Luft unseren Kopf beruhigt.

Heute hole ich tief Luft.

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