drei: heute feiere ich die faulheit.

Adventskalender 3

Es ist Sonntag und ich mache heute einfach mal – nichts. Und das wichtigste: ich habe kein schlechtes Gewissen dabei. Aber eine Jogginghose am Bein und ein krauses Katastrophengebiet auf dem Kopf, weil: scheiß drauf!

Ich schlafe heute lange aus, frühstücke ausgiebig und kümmere mich um gar nix. Anschließend lege ich mich aufs Sofa und schaue irgendetwas völlig Sinnfreies im Fernsehen an oder lese ein Buch, vielleicht sogar ein schlechtes. Das überlege ich mir noch, je nachdem, worauf ich gerade Lust habe. Ach ja, und ganz wichtig an der Sache: Ich trage heute eine Jogginghose (aber nicht zum Joggen) und dicke Socken und meine Haare dürfen sich heute in alle Richtungen kräuseln, ist mir egal. Außer dem Weg zum Kühlschank mache ich nichts Zielführendes.

Ich bin ja eines dieser Exemplare, das nicht still sitzen kann, ohne sich Gedanken darüber zu machen, was denn noch in der Küche geräumt und geputzt werden könnte, wo ich noch abstauben und welche wichtigen Aufgaben ich noch am Rechner bearbeiten müsste und dass meine Wäsche dringend gemacht werden sollte. Meistens führt das dann dazu, dass ich völlig unkoordiniert vom Fernseher in die Küche renne, da zwei, drei Handgriffe mache, dann halbherzig am Fotoalbum des letzten Urlaubs weiterbastle und ein bisschen Staub von irgendwelchen Möbeln wische. Ich habe dann also alles irgendwie angefangen und nichts richtig fertig gemacht, fühle mich aber trotzdem ultra gestresst. Wie unbefriedigend! Die ganze Woche über ist man doch auch schon nur am Herumhetzen. Jeden Abend komme ich von der Arbeit nach Hause und ärgere mich ein bisschen darüber, dass der Tag eigentlich schon vorbei ist. Jetzt will ich mich zwar weniger ärgern, aber wundern tue ich mich trotzdem darüber. Bis ich gegessen habe oder beim Sport war, kann ich eigentlich auch schon wieder den Schlafanzug anziehen (ich trage keinen, aber egal). Und dann soll das am Wochenende gerade so weitergehen? Nö. Keine Lust drauf. Natürlich gibt es Aufgaben, die erledigt werden müssen, ich muss meine Wohnung früher oder später putzen, aber dann wäre es wohl geschickter und vor allem zielführender, das am Stück und mit Dranbleiben zu erledigen. Wenn ich mich dafür entscheide, jetzt einfach aufs Sofa zu legen, dann sollte ich mich  auch genau darauf konzentrieren, sonst haben wir hier ja nix Halbes und nix Ganzes. Alles hat seine Zeit, auch die Entspannung und Muße.

Die heutige Übung kann zumindest bei mir vielleicht nur mithilfe einer Fixation auf dem Sofa gelingen (dann muss aber halt jemand dabei sein, der mir Essen bringt), aber sie ist sehr, sehr wichtig! Und zwar nicht nur, wenn man einen Kater hat, weil man am Vorabend zu hart feiern war und aufgrund von Vergiftungserscheinungen gelähmt ist, sondern weil man sich bewusst dafür entscheidet. Wir zünden uns dazu noch ein paar Kerzen an, das haben wir uns verdient! Und wenn jemand was von uns will, dann sagen wir ihm ganz nett, dass er sich dazu setzen und mitmachen soll bei unserer Übung.

Ich gebe dir hiermit die Erlaubnis, dich heute einfach hinzusetzen und nichts zu machen. Zumindest nichts Sinnvolles. Und wenn sich einer beschwert (und das wirst letztendlich nur du selbst sein), dann sag ihm “Franziska hat’s genehmigt” und damit ist das alles geregelt.

Heute feiere ich die Faulheit.

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