Glaube. Liebe. Hoffnung.

Ich bin nicht fromm oder bibelfest. Ich bete sehr selten. Die Bibel ist für mich vor allem ein lehrreiches Geschichtsbuch. Ich glaube auch nicht an die tatsächliche Existenz Adam und Evas oder die physische Auferstehung Jesus‘. Das Leben nach dem Tod ist für mich keine tatsächliche Auferstehung, sondern das Weiterleben in Gedanken und Taten anderer Menschen, in deren Leben man Spuren hinterlassen hat. Jap, ich bin wohl die beschissenste Christin aller Zeiten.

Das ist mir aber egal, weil Glauben ist Privatsache. An dieser Stelle könnte man natürlich einhaken: Warum ich mich dann überhaupt als Christin bezeichne? Es sind die Werte, die mich beim Christentum halten, die Nächstenliebe vor allen Dingen. Ich habe mich unter anderem auch schon mit dem Buddhismus, dem Rastafari-Glauben und dem Hinduismus beschäftigt. Eine Zeitlang dachte ich, dass es da vielleicht noch etwas anderes abseits des Christentums gibt, das besser zu mir passt. Ich habe aber bald festgestellt, dass meine Denkweise – sicherlich kulturell bedingt – durch die christliche Idee so geprägt ist, dass ich doch immer wieder beim Christentum ankomme. Selbst, wenn ich mich mit vielen Punkten zum Beispiel des Buddhismus identifizieren kann. Aber Religion und Glaube ist meiner Meinung nach nun mal von der kulturellen Prägung abhängig. Jede Religion hat einen Bezug zu der Kultur, aus der sie hervorgegangen ist. Das heißt gleichzeitig, dass ich jede Meinung zu Religion und jeden Glauben gelten lasse und respektiere. Es gibt keinen falschen Glauben. Falsch wird es nur dann, wenn andere Menschen in ihrer Freiheit beeinträchtigt werden.

What if you woke up today with only the things you thanked God for yesterday?

In meiner Küche habe ich auf eine Tafel das Zitat „What if you woke up today with only the things you thanked God for yesterday?“ geschrieben. Zu selten mache ich das, mich bedanken. Aber auch das ist für mich ein wichtiger Teil des Glaubens – Dankbarkeit. Gott ist meine Projektionsfläche für die Dankbarkeit, die ich für alles Schöne, was in meinem Leben geschieht, an jemanden oder etwas adressieren möchte. Ich habe ein ganz tiefes Gottvertrauen in mir, das mir auch in schwierigen Zeiten das Gefühl gibt, nicht alleine zu sein; dass schon alles gut wird, das weiß ich, und wenn nicht, dann hat das auch einen Grund. Mein Glaube an Gott führt letztendlich immer zu mir selbst zurück, weil der Glaube an etwas, das außerhalb von mir liegt, meinen Glauben an mich selbst stärkt.

Ich habe vor kurzem ein Buch von Albert Schweitzer gelesen. Der Theologe und Mediziner war mir schon seit Schulzeiten ein Begriff und seine Gedanken zur Ehrfurcht vor dem Leben und sein selbstloser Einsatz als Arzt in Gabun (Westafrika) hat bei mir die Verbundenheit zum Christentum gestärkt. Wenn jemand auf Basis der christlichen Werte so etwas tut, dann ist das eine Religion, hinter der ich stehen kann und will.

Heute habe ich kein Problem mehr damit zu erzählen, dass ich gläubige Christin bin. „Aber kritisch gläubig“, sage ich immer dazu – im Gegenteil, ich bin eher stolz darauf, für mich einen Wertekanon gefunden zu haben, nach dem ich leben kann.

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