Lesbaar im November – Haruki Murakami: Von Beruf Schriftsteller

Buchcover Murakami Von Beruf Schriftsteller

Wenn ich von einem Schriftsteller mehrere Bücher gelesen habe, weckt das mein Interesse an der Person des Schreibenden. Deshalb lese ich manchmal Biografien oder Biografie-ähnliche Bücher, die den Menschen, aus dem diese ganzen Buchstaben und Wörter fließen, näher beleuchten. Das Ganze geht natürlich aus verschiedenen Perspektiven, deshalb habe ich mir für den November zwei Bücher ausgesucht – einmal Haruki Murakami, der über sich selbst schreibt, und eine Darstellung der Liebesgeschichte zwischen Max Frisch und Ingeborg Bachmann.

Beide Bücher haben eigentlich nur eines gemeinsam: Sie haben mich beim Besuch meines Lieblingsbuchladens in Ravensburg förmlich angesprungen. Ich nenne zwar einen E-Book-Reader mein Eigen und bin WIRKLICH sehr, sehr zufrieden mit dem Ding, aber ich kann halt nicht anders – Bücher in Papierform machen mich verrückt. Ich komme einfach nicht umhin, doch wieder physisch existente Seiten zu kaufen. Ich habe mittlerweile bestimmt zwanzig Bücher, die ich noch zu lesen habe. Die liegen – entweder ausgeliehen von irgendwem oder gekauft oder geschenkt bekommen – auf meinem Küchentisch und im Wohnzimmer verteilt oder als Datei auf meinem Reader. Zwanzig klingt vielleicht nicht nach viel, aber wenn man bedenkt, dass ich ja auch noch anderes zu tun habe als zu lesen, dann finde ich das schon viel. Und es bleibt ja nie dabei, es kommen immer neue dazu. Mit der Liste an Büchern, die ich noch lesen möchte, müsste ich vermutlich 300 Jahre alt werden; und da sind Neuerscheinungen ja noch nicht eingerechnet.

Buchcover Murakami Von Beruf Schriftsteller

Jedenfalls, zurück zu Murakami. Haruki Murakami, von dem ich mittlerweile schon viele Bücher gelesen habe, ist einer meiner Lieblingsautoren. Als ich also gesehen habe, dass er ein autobiografisches Buch geschrieben hat, musste ich das natürlich sofort haben. Murakami schafft es in Von Beruf Schriftsteller, sein Privatleben völlig auszuklammern und nur darüber zu schreiben, wie er schreibt. Er erzählt über Literatur im Allgemeinen, wie er zum Schreiben kam, wie er seinen Stil entwickelt hat und wie er schließlich erfolgreich wurde. Da ich ja selbst gerne schreibe (ach, gar nicht gemerkt…), waren seine Erzählungen für mich natürlich besonders interessant und vor allem inspirierend. Seit ich Von Beruf Schriftsteller gelesen habe, bin ich ein noch größerer Fan Murakamis. Der Schriftsteller ist unglaublich bescheiden und zurückhaltend; bei jemand anderem würde ich behaupten, das wäre kokettiert oder vorgeheucheltes Understatement. Aber ihm – ihm glaubt man das. Er zeigt sich als fleißiger, Musik (Jazz!) liebender Arbeiter am Wort, der seine Leser ernst nimmt, der diszipliniert und mit viel Ausdauer seinem Beruf nachgeht. So wird dem Leser auch klar, wie er zu einem weltbekannten Autor werden konnte. Disziplin, Fleiß, Bescheidenheit gepaart mit Feinfühligkeit – so habe ich Murakami nach der Lektüre abgespeichert.

Haruki Murakami: Von Beruf Schriftsteller
Erschienen bei Dumont am 13.10.2016

Originalverlag: Switch Publishing, Tokio, Originaltitel: Shokugyo toshite no shosetsuka 
Übersetzung: Ursula Gräfe

240 Seiten
ISBN: 978-3-8321-9843-5

Buchcover Ingeborg Bachmann und Max Frisch

Und dann gibt es da noch diese Bücher über die Lebensgeschichten von Autoren, dazu zählt auch Ingeborg Bachmann und Max Frisch – Eine Liebe zwischen Intimität und Öffentlichkeit von Ingeborg Gleichauf. Hier geht es um einen Teil der Leben der beiden literarischen Ausnahmeerscheinungen, und zwar um deren Liebesgeschichte. Da Schriftsteller meist die Eigenschaft haben, hochemotional zu sein – deshalb sind sie vermutlich so gute Schriftsteller – sind deren Liebesgeschichten meist voller Spannung, Leidenschaft und Leiden, Hin und Her, Ganz oder Gar nicht. So war das auch bei Frisch und Bachmann. Eigentlich waren es nur vier Jahre, die die beiden miteinander verbracht haben, aber die Verbindung hielt bis zu Bachmanns Tod. Gemeinsame Fotos der beiden gab es nicht und auch Details der Liaison kamen nicht an die Öffentlichkeit und dennoch schafft es Gleichauf, die spannungsgeladene Beziehung zwischen den beiden aufzuarbeiten. Von Paris über Zürich bis Rom leben die beiden Schriftsteller ihre Liebe und arbeiten an ihren Werken, immer mit Drama und Ausbrüchen und dann wieder Gleichförmigkeit. Nachdem ich dieses Buch gelesen habe, habe ich mir einen Sammelband von Frischs Werken und einen über Bachmanns Werke zugelegt, wieder in Papierform und damit eigentlich vielmehr als Deko-Objekt denn als Lektüre. Schließlich sind Bachmanns Prosa-Werke wie ihre Kurzgeschichten für mich unlesbar. Ganz grausam. Aber Gedichte – Gedichte konnte sie für meinen Geschmack.

Ingeborg Gleichauf: Ingeborg Bachmann und Max Frisch – Eine Liebe zwischen Intimität und Öffentlichkeit.
Erschienen bei Piper am 19.01.2015
224 Seiten
ISBN: 978-3-492-30629-4

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