gleichgeschlechtliche liebe platonischer art

wen ich heiraten will. jetzt, da jeder mit jedem und ich mit ihr und du mit ihm und wir mit uns (polyamoröse vertragliche bindungen stehen sicherlich noch auf der agenda der liebe für alle klausurtagung). sie eheliche ich demnächst, diese zwei, drei menschen, ich habe ohnehin schon allen gesagt, dass ich sie liebe. sie sind aber weg, weit weg, nicht gerade auf der anderen seite des äquators, aber doch zu weit, als dass man das ohr in stündlicher regelmäßigkeit an die atmende brust des anderen halten könnte.

sie ist eine davon. vor einigen jahren ist sie aus dem schoße ihrer mutter entschlüpft, das jährt sich an diesem tag. jedoch – ich bin hier und sie ist dort; das ist tragisch, denn diese sich jährenden tage, die vergreisung verheißen, gehen mit körperlichen tangenten schöner vonstatten. wie gut, dass ich heute verrückt bin, und frei und erlebnisorientiert bin ich sowieso. heute übe ich mich in spontaneität, das ist der muskel, der zwischen wollen und machen wächst. ich bin zwar hier, könnte aber auch dort sein. Aus konjunktiv forme ich mit angespanntem muskel den indikativ und sitze mir nichts, dir nichts auf schienen. aber nicht direkt, da ist noch ein sitzpolster eines zuges dazwischen.

das weiß sie aber nicht.

türen öffnen zischend, der ausschnitt des kleides wird in seine ausgangsposition gelegt, sonst zieht’s am herzen, rolltreppen und treppen werden mal nach oben gefahren, mal gestiegen.

das weiß sie aber nicht.

von hinten grienen mich die locken an, aber ganz leise. die kringeln sich unschuldig in den nacken und halten sich an den schultern fest und bleiben mucksmäuschenstill, als ich näher komme. von hinten durch die brust ins auge. aus vis-à-vis wird oh-là-là, der weg vom auge zum gehirn ist momentan ein langer, ein ton aus ihrem munde trifft hoch, laut, schrill auf mein ohr, nie war kreischen schöner. wir haben jetzt keine zeit, um mit dem lineal tangenten zu zeichnen, wir bilden auf die schnelle eine vereinigungsmenge. obwohl wir doch mathematisch beide im allgemeinen völlig kopflos sind. ein parallel neben der mitteleuropäischen uhrzeit und dann auch noch in zeitlupe stattfindender augenblick, das muss glück sein.

ich wusste es aber schon.

das muss glück sein. wenn das adrenalin in fontänen nach oben schießt, obwohl ich doch nicht opfer, sondern täter in diesem überraschungsangriff aus dem hinterhalt bin. kill ’em with love. oh-là-là sagt sitz mal da. machen wir auch, wir sitzen einfach nur da, musik wabert über unsere köpfe, liquide mittel durch unsere mägen, seid ihr schwestern durch staundende münder, liebe durch die luft. wir sitzen so da, als wäre das schon immer so gewesen, als wäre das auch in zukunft immer so, als wäre der moment an der uhr vorbeigeschlendert. manchmal versicherndes greifen nach nebenan, keine einbildung das alles.

irgendwer hat zu viel gras geraucht, grün war es noch in der hand, dann kriecht es farblos durch den körper und und lähmt ihn und die pupillen (ganz besonders) und dann setzt es sich rot in den augen fest.

irgendwer vögelt zwitschernd über eine terrasse.

irgendwer fragt wollen wir weitergehen. weil wenn gerade keine zeit läuft, sollten wir ihr davonlaufen, vielleicht findet sie uns dann nicht mehr.

auf dem weg pommes und currywurst und zigarettenrauch und der vergebliche versuch, auf beiden beinen mitsamt schuhen geradeaus zu laufen.

ich liebe euch alle. ich will jetzt schlafen.

morgen. die uhr zeigt wieder sekunden an. der schmerz umfasst meinen kopf mit kraftlosen, wodkagetränkten fingern, ich fliehe in die liebevoll-starken arme der erinnerung an letzte nacht.

liebe für alle.

Schreibe einen Kommentar