Weniger ist mehr – was mich das Reisen mit Handgepäck gelehrt hat

Ich hole gerade frisch gewaschene Wäsche aus der Waschmaschine und hänge sie draußen auf, als mich ein Gefühl der tiefen Zufriedenheit überkommt. Duftender, schleuderfeuchter, sauberer Stoff – wie habe ich das vermisst in den letzten Wochen!

Das glaubt mir ja keiner, wie geil man frisch gewaschene Wäsche finden kann! Denn: ich bin wieder beim Thema Handgepäck angekommen. Einmal will ich mich noch über meine Erfahrungen damit auslassen, ein letztes Fazit zum Reisen mit sieben Kilogramm auf dem Rücken. Sieben Kilogramm bedeuten halt recht wenig Inhalt, somit auch wenige Klamotten. Wie vielleicht der eine oder andere schon mitbekommen hat, bin ich nach meinem Aufenthalt in meiner zweiten Heimat in Tansania noch nach Sri Lanka weitergeflogen, schließlich will man ja auch mal was Neues sehen. Das heißt also alles in allem: Vier Wochen unterwegs mit minimalem Gepäck.

  1. Abwicklung am Flughafen. So stressfrei und schnell war ich an Flughäfen noch nie unterwegs. Ich bin immer und überall an allen anderen vorbeispaziert. Es ging nix verloren. Bei den Zwischenaufenthalten war mir mein Rucksack ein wunderbares Kissen. Und ich hatte immer alles zur Hand, wenn ich mich umziehen wollte oder meine Zähne putzen oder was man sonst so auf Flughäfen machen kann, wenn man einen längeren Stopover hat. Kennt ihr dieses Problem mit diesen ganz großen Rucksäcken, wenn man den auf den Rücken laden will und dabei fast nach hinten umkippt, weil das Ding beinahe doppelt so schwer wie man selber ist? Ich habe das gehasst, wie die Pest habe ich das gehasst! Man überlegt sich dann fünfmal, ob man den Rucksack jetzt abstellt oder lieber unter Ächzen und Stöhnen auf dem Rücken behält, wenn man mal irgendwo anhält. Ich hasse es einfach, Zeug rumzuschleppen, vielleicht ist das ein Kindheitstrauma oder vielleicht habe ich einfach nur so einen Schlag weg, aber ich habe eine Schlepp-Phobie. Ich weiß, Phobien muss man eigentlich heilen, aber diese Phobie bin ich jetzt einfach mal ganz geschickt umgangen. Was bin ich doch für ein findiges Kerlchen!
  2. Wäsche waschen. Ich habe fast jeden zweiten Tag irgendwelche Kleidungsstücke gewaschen. Aber irgendwann, da brauchen wir uns nix vormachen, riecht das Zeug halt nicht mehr nach Blumenwiese und wie frisch aus der Waschmaschine, wenn man nur kaltes Wasser und die eigenen Hände zum Kneten und Schleudern und Ausdrücken zur Verfügung hat. Und richtig sauber wird das Zeug auch nicht mehr, obwohl ich mich mittlerweile als Handwäsche-Expertin bezeichnen würde (in der Theorie auf jeden Fall, praktisch bin ich dann halt schon auch ein bisschen faul). Wenn man lange genug an einem Ort ist, dann kann man seine Wäsche auch abgeben, aber ich war Hardcore-Reisen und bin daher mindestens jeden zweiten Tag woanders hingefahren, also hat die Zeit nie dafür gereicht, jemandem meine Wäsche zu geben. Allerdings muss ich mir selbst auf die Schulter klopfen: Ich habe genau richtig gepackt, ich habe alles, was ich an Kleidung dabei hatte, gebraucht und genutzt. Applaus, Applaus. Diese Wascherei war tatsächlich das einzige, was mir von Zeit zu Zeit tierisch auf die Nerven ging. Gar nicht so sehr wegen des Akts des Waschens, sondern eher, weil ich das Gefühl frisch gewaschener, nach Waschmittel duftender, sauberer Wäsche vermisst habe. Ja, irgendwann fühlt man sich einfach nur noch schmutzig. Der ganze Staub legt sich in jede Faser und setzt sich hartnäckig fest, vom Schrubben werden die Stoffe schon ganz dünn und leiern aus. Weil ich in Tansania gerade noch das Ende der Regenzeit und damit auch mal Temperaturen unter 20 Grad erwischt habe und auf Sri Lanka kaum weniger als 30 Grad genießen durfte, musste ich mich klamottentechnisch auf alle möglichen Witterungen vorbereiten. Wenn man sich auf eine Wetterregion beschränkt, kann man die ganze Packerei definitiv noch optimieren und hat mehr Kapazitäten für Sommer- und Strand- oder eben Trekking-Kleidung, je nachdem.
  3. Kosmetik-Beschränkung. Was bei vier Wochen natürlich schwierig ist, ist eine ausreichende Menge an Kosmetikartikeln mitzunehmen. Schließlich muss alles, was man an Flüssigkeiten dabei hat, in einen transparenten Ein-Liter-Beutel passen und in je 100 Milliliter-Einheiten eingepackt sein. Mit meinen Kosmetik-Artikeln bin ich normalerweise sehr eigen. Die müssen vegan, ohne Tierversuche, Plastik oder sonstigem Müll produziert worden sein, am liebsten Naturkosmetik. Die 16 Euro Anti-Falten-Feuchtigkeits-Pflege-Sonnencreme, die ich nach einer halben Stunde Überlegen vor dem Regal in der Parfümerie erstanden habe, war nach der Hälfte des Urlaubs leer und den einzigen möglichen Ersatz (Tansanier und Singhalesen brauchen halt doch eher wenig Sonnencreme) habe ich für umgerechnet drei Euro in einem Supermarkt in Arugam Bay gefunden. Krieg ich halt Falten, was soll’s. Und auf mein tägliches halbstündiges Zahnputzritual mit Spezial-Sole-Zahncreme, Ölziehen, Zahnseide, Zungenreiniger und dem ganzen Quatsch musste ich auch verzichten. Hätte ich das alles noch eingepackt, hätte ich kaum weniger als fünf Kilogramm mehr auf die Gepäckwaage gebracht. Wenn was ausgeht, darf man keine großen Ansprüche stellen, da muss man das kaufen, was da ist, meist muss man glücklich sein, überhaupt das gesuchte Produkt zu finden. Nix Naturkosmetik. Nix vegan. Nix plastikfrei. Das ist noch ein Punkt, den ich bei meiner nächsten Reise gerne effizienter gestalten möchte. Man braucht ja schließlich immer eine kleine Challenge (oder ist das wieder der Schlag, den nur ich weghabe?). Verzichtet habe ich auch – das aber gerne – auf mein übliches Make-up. Ein bisschen Grundausstattung hatte ich schon dabei, aber mal ehrlich: Wenn einem bei 35 Grad und 95 Prozent Luftfeuchtigkeit das ganze Gesicht wie eine flüssige Maske über das Dekolletee läuft, dann sieht das scheiße aus. Einfach nur scheiße. Lassen wir die Haut doch einfach mal atmen! Das klingt jetzt höchst dramatisch, aber eigentlich ist das etwas, was ich am Urlaub immer genieße. Klar könnte ich den ganzen Kram auch zu Hause weglassen, aber ich will nicht die ganze Zeit gefragt werden, ob ich krank sei oder irgendwie müde oder so. Ja, so sind die Menschen!

Ich habe beschlossen, dass ich nur noch so verreise. Beim nächsten Mal bin ich wieder ein bisschen schlauer, weiß genauer was ich brauche und was nicht und wenn ich nicht gerade zwei Kontinente in vier Wochen und damit auch verschiedene Klimazonen durchreise, ist das Packen auch einfacher. Ich freue mich schon auf diese nächste Handgepäcks-Reise. Überhaupt auf die nächste Reise. Scheiße, ich hab’s ja schon gesagt, man sollte nie mit dieser Reiserei anfangen, man will immer mehr, mehr, mehr und Meer und alles. Noch am Flughafen habe ich geschaut, wo ich als nächstes hin will. Aber, ganz ehrlich und ohne Übertreibung: Niemals hat mich in meinem Leben etwas in so kurzer Zeit so viel weiter gebracht wie das Reisen. Und mit weiter gebracht meine ich keine geografischen Entfernungen.

Es wird im Laufe der nächsten Wochen noch ein paar andere Updates zu meiner Reise geben: Meine Erlebnisse als Alleinreisende (vor allem als weibliche Alleinreisende) und meine Stationen in Sri Lanka (ein absolut traumhaftes Land, so viel sei schon mal gesagt). Viele Bilder mache ich ja bekanntlich nicht, aber ein paar Momente habe ich dann doch fotografisch festgehalten. Aber bevor ich mich damit auseinandersetze, werde ich erst einmal die nächsten drölf Stunden Zahn- und Gesichts- und Nagelpflege betreiben. Und dann muss ich mich um meine Klamotten kümmern. Ich glaube, ich schlafe heute Nacht in meinem Kleiderschrank. Weil’s da so gut riecht und außerdem habe ich ja was wieder gut zu machen, nachdem ich die Kleider, Rücke, Hosen, Blusen, Shirt und ihre Freunde so lange alleine gelassen habe.

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