Same same but different

Als ich aus dem Flugzeug aussteige und das Schild Kilimanjaro International Airport lese und die warme Luft auf meiner Haut spüre, kommen mir beinahe die Tränen. Ich fühle mich angekommen, sofort. 

Ich laufe durch das Flughafengebäude, das geht schnell, ist ja nicht groß und ich bin nur mit Handgepäck unterwegs. Ich bin früher als erwartet draußen, mein Fahrer ist noch nicht da, also will ich zum Zeitvertreib Geld am ATM holen, aber der funktioniert nicht. Was für eine Erleichterung, alles ist wie immer. 

Cathe und Salmini holen mich ab und die kleine Hannah und Rosy und ich bin so voller Freude, dass ich die ganze Zeit während der einstündigen Fahrt laut lachen will, aber – Contenance, Fräulein, Contenance. Und auf einmal bin ich wieder mittendrin. Wir fahren auf der falschen Straßenseite, ein Glück, dass ich nicht auf der Fahrerseite eingestiegen bin. Die Arbeiter, die ihre Wägen an der Straße entlangziehen, das Grün der Bäume und Wälder, das nicht wie unser Grün aussieht. Der Geruch auf den Straßen, ein bisschen verkohlt, ein bisschen wie Grillen. Der rote Sand, der sofort alles einstaubt, wenn er trocken ist, oder die Schuhe verschlammt, wenn es darauf geregnet hat. Immer noch laufen Frauen mit den schwersten Dingen auf ihrem Kopf herum, immer noch werde ich angesehen wie eine Außerirdische, wenn ich nicht gerade in einer städtischen Gegend bin.

Im Hostel angekommen fühlt es sich an, als wäre ich nur kurz weg gegangen, vielleicht einen Sixpack Kilimanjaro-Wasser kaufen oder einmal kurz auf Heimaturlaub gewesen. 

Und dann hänge ich wieder rum, wie das damals so war, wie das heute eben immer noch so ist, stundenlang im Café mit irgendwelchen Leuten palavern, manchmal auch wieder warten, bis einer kommt, mit dem man den Versuch einer Verabredung gewagt hat.  

Ich habe wieder blaue Knie, nachdem ich Bus gefahren bin, die Bänke sind zu eng, aber die Sitzbachbarn hilfsbereit. Sie fragen zwar nach Support für irgendwas (Studium, Kinder, sowas eben) – das passiert oft und manchmal unvermittelt – aber dafür tun sie alles, damit man an seinem Ziel ankommt, wenn das Handy die neue  tansanische SIM-Karte nicht so gut findet und deshalb lieber mal frisst (oder ausspuckt?!). Ich ging ohne mobile Verbindung los und kam in  einer Traube von Menschen an, die mich erfolgreich zu meiner Verabredung brachte. Man kann hier nicht verlorengehen, Hilfe ist überall. 

Das erste Mal etwas essen gehen, die Kellner kennen die Speisekarte nie, man zeigt mit dem Finger auf das Gericht, sie schreiben es fein säuberlich auf ihren Block; die Angst davor, dass man wieder eine Stunde auf das Essen wartet, nur damit der Kellner nach Ewigkeiten zurückkommt um zu sagen, dass dies oder jenes nicht mehr vorrätig ist, man dann umbestellt und hungrig eine weitere Stunde wartet. Oder heute: ich bestelle ein Avocado-Sandwich, bekomme dann einen Salat mit Avocado und ich frage Wo ist das Brot und Sam sagt Das ist ohne Brot und ich sage Aber das ist doch ein Sandwich und er sagt Nein, das ist ohne Brot; dann weißt du auch nicht mehr weiter mit deiner Argumentation. 

Mein Suaheli ist immer noch genauso schlecht, ich fange immer an mit Smalltalk und nach drei Sätzen (wenn man das Gestammel so nennen will), muss ich aufgeben, schaue mein gegenüber mit großen Augen an und es rattert ganz laut dahinter. Aber manches kommt wieder, die Zahlen, die Begrüßung, einzelne Begriffe in Gesprächen.

Und man kämpft immer mit irgendwas, mit dem WiFi, mit der gesperrten SIM-Karte oder mit der Wassertemperatur der Dusche. Es ist kein harter Kampf, dieser hier benötigt zähe Ausdauer. Es ist die Leichtigkeit, das Einfach-nur-Sein, im Hier und Jetzt, das Nicht-an-morgen denken, alles das, was mir sonst so schwer fällt, das ist es, was diese Kämpfe wettmacht. Die Waagschale des Heute ist so viel schwerer geworden als die des Morgen. 

Same same. Nur eins ist neu: die Kakerlake im Bad. 

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