Lesbaar im April – Sarah Armstrong: Nachts schwimmen

Quinn ist mit Marianna verheiratet. Quinn verliebt sich in Rachel. Quinn führt mit beiden Frauen Beziehungen.

Was so einfach als moralisch verwerflich abgetan werden könnte – ein Mann betrügt seine Ehefrau über Jahre – bekommt durch die zarte Erzählweise und empathische Beschreibung der Charaktere einen ganz anderen Zugang. Quinn und Marianna, seine Ehefrau, versuchen seit Jahren erfolglos, ein Kind zu zeugen. Der Sex ist nur noch Vehikel, die Leidenschaft ist lange verbraucht. Dann lernt Quinn Rachel kennen; er ist der Arzt ihrer kranken Mutter, die sie tagsüber pflegt. Beim nächtlichen Schwimmen kommen sich beide näher und schließlich geschieht das Unausweichliche. Und Rachel ist so ganz anders als Marianna.

Als Quinn sich seiner Verliebtheit stellt und für sich eine Entscheidung getroffen hat, eröffnet Marianna ihm, dass sie schwanger sei, noch bevor Quinn reinen Tisch machen kann. Er bleibt bei ihr, aus völlig nachvollziehbaren Gründen. Endlich ist das eingetreten, was die beiden immer wollten, das abgewendet, weshalb ihre Beziehung am seidenen Faden hing. Soll er ausgerechnet jetzt alles hinter sich lassen?

“Diese Soße ist unglaublich”, hatte sie gesagt. “Du bist echt ein guter Koch.”
“Ähm … die habe ich nicht selbst gemacht.” Er zögerte. “Ich habe sie von zu Hause mitgebracht. Marianna hat sie vorgekocht.”

Rachel weiß von Marianna, aber Marianna ahnt nicht im geringsten, dass Quinn in dem Ort, in dem er unter der Woche als Arzt arbeitet, eine zweite Familie hat. Wie die Geschichte ausgeht, ob die Frauen bei ihm bleiben, ob das fragile Konstrukt des Doppellebens irgendwann in sich zusammenbricht – das müsst ihr allerdings selbst lesen.

Das Buch hat mir eine gute Freundin empfohlen, die mir sagte: Man kann ganz genau nachvollziehen, warum er das macht, obwohl man eigentlich denkt, man würde eine Lügerei wie diese immer aufs Schärfste verurteilen. Ich finde, sie hatte recht. Und trotzdem muss jeder der Beteiligten mit den Konsequenzen seiner Entscheidungen leben.

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