#8 Zähne zeigen

Ich war heute schon wieder laufen. Ja, richtig geraten, ich schreibe wieder was über meinen Körper. Und alle so: Yeah! Heute geht’s um Zähne.

Da ich die Lauferei wieder in meinen Alltag integrieren will, nutze ich die trockenen Stunden nach dem Regen des vergangenen Tages, schnalle mir die Asics an die Füße und die Kopfhörer in die Ohren und laufe los. So, denke ich, heute ist dein Tag, um gute Laune zu verbreiten. Es ist Zeit, auch mal Zähne zu zeigen. Also wird jeder Mensch, der an mir vorbeispaziert, angelächelt und mit einem freundlichen Hallo begrüßt. Da ich nicht die einzige bin, die die Regenpause nutzt, und es Sonntag Nachmittag ist, kommen mir sehr viele Menschen entgegen. Wunderbar! Ich glaube, im Laufe des Laufes schmettere ich etwa 50 grinsende Hallos und Grüß Gotts in die bewölkte Frühlingsanfangsluft. Und das lohnt sich: zum einen, weil Lächeln Effekte auf den Körper hat. Eine Studie aus dem Jahr 2010 lässt darauf schließen, dass Menschen, die häufig lächeln, deutlich länger leben als solche, die die Mundwinkel in der Horizontalen halten. Außerdem belegen diverse Studien, dass Lächeln die Laune hebt – es gibt scheinbar eine direkte Verbindung zwischen der Mimik und der Hirnaktivität. Forscher fanden Hinweise, dass Lächeln die Durchblutung des Gehirns fördert und Stresssymptome mildert. Darüber hinaus wurde herausgefunden, dass Glücksgefühle nicht allein im Bewusstsein entstehen, sondern in den Muskeln und Hormonen gespeichert sind. Will heißen: Wenn man die Gesichtsmuskeln in eine Position bringt, die dem mimischen Ausdruck von Freude entspricht, kann man positive Effekte im Nervensystem und Auswirkungen auf die Blutzufuhr im Gehirn hervorrufen. Wer also lächelt, ohne sich nach Lächeln zu fühlen, fühlt sich bald eben doch nach lächeln. Das passiert also bei mir, wenn ich lächle – was passiert aber bei anderen, denn eigentlich geht’s mir ja darum? Natürlich gibt es auch dazu Studien: Lächeln ist ansteckend. Wer jemanden lächeln sieht, lächelt fast automatisch mit, denn das Gehirn spiegelt positive Emotionen besonders stark wider; stärker als negative.

Ich war schon vorher zum Kotzen gut drauf, aber wenn man dann noch lächelt, ist die gute Laune ja kaum auszuhalten! Und dann habe ich noch meine all time jogging favourites im Ohr, die zum Laufen eigentlich völlig unpassend sind: Long road to ruin von den Foo Fighters (weil der Titel einfach passt. Punkt.), Devil on my shoulder von Billy Talent (weil mich Billy Talent schon vor zehn Jahren begleitet hat) und Pray for the Band Latoya von Juliette & the Licks (weil’s einfach geil ist).

Als mich ein alternativ aussehendes Pärchen – er mit langen, blonden Rastas, sie mit weiten Pluderhosen und vielen Piercings im Gesicht – nach dem Weg fragt und ich keine Ahnung habe, wo sie hinwollen, lächle ich sie breit an, entschuldige mich für meine Ahnungslosigkeit, rufe noch Viel Erfolg bei der Suche hinterher und grinse noch ein bisschen breiter. Ein bisschen glückselig klingt es, als sie mir einen schönen Sonntag wünscht. Ich glaube, Lächeln ist wirklich ansteckend, ich hab heute mit Sicherheit mehr Zähne gezeigt bekommen als sonst immer. Selbst der Hund, der mir ein paar Meter hinterher rennt, zeigt mir erfreut seine Zähne, während sein Herrchen freudig demonstriert, wie laut es schreien kann.

Als ich wieder auf meine iPhone schaue, habe ich knapp neun Kilometer auf der Uhr. Es ist mein zweiter Lauf dieses Jahr, ich war seit Monaten nicht mehr joggen und ich hab’s nicht mal gemerkt. Plötzlich hat sich mein Körper erinnert. Bestimmt, weil ich mich letztes Mal bedankt und dieses Mal gelächelt habe. Höflichkeit siegt!

Unweigerlich und völlig zusammenhangslos fällt mir dazu Michael Mittermeier ein. Was habe ich vor ungefähr fünfzehn Jahren darüber gelacht!

 

Schreibe einen Kommentar