Kompliment #22

KomplimentsKalender, WunderbaarerAdvent

Dein klarer Kopf gibt einem labilen emotionalen Gerüst Halt.

Vielleicht hätte ich vor zwei, drei Wochen noch gar nicht drüber nachgedacht, einen Text über T zu schreiben. Wir kennen uns naturgemäß schon sehr lange, seit bald 30 Jahren – also er mich zumindest, ich habe ja zu Beginn wenig bis gar nichts mitbekommen. Ich lag nur so rum und hab geschrien und gegessen. Als mit mir dann wegen Fähigkeitenzuwachs im Laufen und Sprechen zum Beispiel mehr anzufangen war, waren wir mal Tretboot fahren mit Mama, Papa, Brüdern und haben getreten, was das Zeug hielt. Beim Wandern waren wir auch mal, in den Bergen, ich glaube, das war dieser eine Wanderausflug damals, auf dem Weg zum Gottesacker, der jäh von einem Gewitter beendet wurde. Heutzutage sieht man sich ein paar Mal im Jahr, vielleicht zwei-, dreimal, wenn’s hochkommt. Zu Omis und Opis Geburtstag, zu bedeutsamen Hochzeitstagen und solchen Anlässen. Wir verstehen uns gut und wir sind genetisch ja auch ein bisschen verbunden, das ist für mich sowieso immer Grund genug, sich zu interessieren – was machen die Menschen, die mit ähnlichem Erbgut wie ich rumrennen, denn eigentlich so? Aber manchmal ändern sich Umstände und dann ändern sich auch die sozialen Verflechtungen. Manchmal kommt man sich über Herausforderungen näher. Denn: bei existentiellen Umbrüchen erkennt man die wahre Natur des Menschen. Manche verstummen, manche sind wie gelähmt, manche zeigen ungeahnte Stärke – egal, wie sicher, stark oder selbstbewusst sie zuvor, weich gebettet in der Comfort Zone, noch waren.

T ist schon immer Organisator gewesen, möglicherweise auch berufsbedingt (wobei ja auch hier wieder die Frage ist, was zuerst da war Henne oder Ei – Organisationsfähigkeit oder Job), aber in den letzten Wochen war das noch viel wichtiger und vor allem haltgebender als es in jeder anderen Situation hätte sein können. Wenn man von Emotionen überwältigt wird und nicht mehr klar denken kann, ist es umso hilfreicher, wenn da jemand ist, der trotz dieser Emotionen einen klaren Kopf bewahrt und einfach mal losläuft, Schritt für Schritt. Der Weg ergibt sich dann schon.

Sorgen verbinden eben auch. Und so schlimm es ist, sich zu sorgen oder – im allerschlimmsten Fall zu trauern – so schön ist es doch auch, dass dadurch andere Verbindungen stärker werden, Zusammenhalt geübt und Vertrauen aufgebaut wird. In jeder Tragik liegen auch große Chancen.

Danke für deinen klaren Kopf in dieser schwierigen Zeit.

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