Kompliment #10

KomplimentsKalender, WunderbaarerAdvent

Du bist ein großartig guter Mensch.

L ist einer der wenigen Menschen, die ich aus der Schulzeit hinüber in mein erwachsenes Leben genommen habe (Wie? Was? Erwachsen?). Anders als bei vielen dieser Facebook-Schulfreunde, über deren Leben man durch ihre Posts (verliebt mit: Hans-Peter Sowieso, entspannt hier: Ko Samui, feiert: den Abschluss) auf dem Laufenden gehalten wird, aber niemals wieder einen bilateralen Austausch schafft, haben L und ich einen gemeinsamen Weg gefunden. L und ich, wir sind noch nicht einmal auf Facebook befreundet, denn L hat sich vor Jahren abgemeldet. Und wir haben es trotzdem geschafft, uns jedes Jahr mindestens einmal zu treffen. Wenn das mal keine beachtliche Leistung ist!

Es gab da ein paar Situationen in der Schule, die ich nie wieder vergessen werde und jedes Mal, wenn ich daran denke, frohlockt mein Herz aufs lauteste. Einmal, im Nachmittagsunterricht, es ist gerade die siebte oder achte Stunde – welches Fach das war, weiß ich nicht mehr – jedenfalls: Es ist etwa 14.23 Uhr und der Unterricht ist in vollem Gange, als plötzlich die Tür aufgerissen wird und L hereinstürmt mit den aufgeregten Worten Entschuldigung, ich habe verschlafen!  Tja, Schüler sollte man sein.

Kurz vor und kurz nach dem Abitur hatten wir die beste Zeit unseres jungen Lebens, als wir im Biologie-Unterricht mit dem Lehrer Glühwein ganz adäquat im Bunsenbrenner erhitzten, am Wochenende in Omas Partykeller Übersetzungen studierten und mit dem Party-Twingo von Club zu Club fuhren. Nein, Stop! Das hieß damals Disco. Als Ls Roller ausgedient und sie das Alter für einen richtigen Führerschein erreicht hatte, wurde sie stolze Besitzerin eben jenes Party-Twingos. Wenn man die Sitze umgeklappt hat, hatte man durchs Schiebedach eine gute Aussicht auf die Sterne und konnte eigentlich auch gleich im Auto übernachten, denn die Nächte nach dem Abitur waren damals kurz, die Tage für Verschwendung prädestiniert. Unfassbar, wo dieser Twingo sie überall hingebracht hat, dieses kleine, knubbelige Auto mit den drölfzig Aufklebern diversester Länder, ich weiß gar nicht, ob solche langlebigen Autos heute noch gebaut werden. Ich glaube, dieser fahrende Knubbel war tapfer in ziemlich viele Umzüge involviert. Ich habe irgendwann fast den Überblick darüber verloren, wo L wohnt, sie hat in Frankreich und in der Schweiz gefühlt schon überall gelebt und ich bin mir nicht mehr sicher, ob Italien auch dabei war.

L ist ein guter Mensch. Was so banal und durchschnittlich klingt, ist die Summe aller guten Eigenschaften, die ich an einem Menschen schätze. Rücksichtnahme, Interesse, Aufmerksamkeit, Anteilnahme – um nur ein paar Beispiel zu nennen. Ich vermute mal, nicht zuletzt deshalb ist sie als Trauzeugin schwer gefragt. Es scheint, als gäbe es keine schlechten Gedanken oder Worte über andere Personen in ihrem Kopf, kein Schimpfen, kein Lästern, kein Verurteilen. Das ist groß. Großartig.

Die Welt braucht mehr gute Menschen.

Danke, dass du seit der Schulzeit eine feste Größe in meinem Leben geblieben bist.

 

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