Kompliment #6

KomplimentsKalender, WunderbaarerAdvent

Du reagierst so aufmerksam auf die Bedürfnisse deiner Mitmenschen, dass man sich in deiner Nähe immer ein bisschen nach Wellness fühlt.

S und ich hatten beide den gleichen beruflichen Start und kommen aus derselben idyllischen Ecke Deutschlands. Heute könnten unsere Jobs kaum unterschiedlicher und unsere ständigen Wohnsitze geografisch kaum schlechter verteilt sein. Trotzdem sind wir in Herz und Kopf immer beisammen geblieben. Hin und wieder treffen wir uns in der Idylle oder besuchen uns gegenseitig in der mittlerweile nicht mehr ganz so neuen Heimat, was leider mit furchtbaren odyseischen Bahnfahrten oder stundenlangen Staus verbunden ist. Aber man tut das – für die Liebe.

Wir haben uns lange Zeit täglich gesehen und es war wundervoll; als wir – und das ist noch gar nicht so lange her – beschlossen, zusammen in Urlaub zu fahren, war nicht einzuschätzen, wie wir als Team über knapp zwei Wochen funktionieren. Tag und Nacht gemeinsam zu verbringen ist eben doch etwas anderes, als sich abends in die eigene Wohnung zu verabschieden. Heute kann ich sagen: ich habe mich während unseres Trips noch mehr in S verliebt.

Dass sie aufmerksam und fürsorglich ist, habe ich ja bereits vorher gewusst. Es vergeht keine Minute, bis mein leeres Glas wieder voll ist, bis ich dicke Socken an den kalten Füßen habe oder einen von den Augen abgelesenen Essenswunsch erfüllt bekomme. Ihr kann ich Dinge anvertrauen, die mir für 95 Prozent aller anderen Menschen viel zu peinlich wären (deshalb kann ich hier ganz offensichtlich auch kein Beispiel nennen), die sie aber – ohne mich auszulachen – zu verstehen versucht und vor dem Hintergrund der Lächerlichkeit so geradlinig kommentiert, wie es nur möglich ist. Ganz ernsthaft, ohne dass ich mir noch dämlicher vorkomme. In den gemeinsam verbrachten Tagen habe ich dieses von ihr vermittelte Gefühl, ein ganz besonderer Mensch zu sein, noch viel stärker erlebt. Die Aufmerksamkeit hört also nicht auf, wenn man sich nach ein paar Tagen aneinander gewöhnt hat, sie ist da wie am ersten Tag. S denkt mit. Immer.

Als wir während unseres gemeinsamen mehrtägigen Müßiggangs abends bei einem Kännchen Tee im Kaminzimmer eines unfassbar geilen Wellness-Hotels saßen, habe ich feststellen müssen, dass S die beste Mensch-ärgere-Dich-nicht-Spielerin auf der nördlichen Hemisphäre ist (oder bin ich einfach nur so verdammt schlecht?). Das strategische Denken, das sie dort an den Tag gelegt hat, ist meiner Meinung nach Sinnbild für ihre Art, auch mit wichtigeren Situationen umzugehen. Deshalb ist sie wohl auch dort, wo sie heute ist. Und ich finde, sie ist richtig weit gekommen. Aber dafür, dass ich absolut kein ebenbürtiger Brettspiel-Gegner bin, muss ich mich hochoffiziell entschuldigen.

Diese Aufmerksamkeit, die S anderen Menschen entgegenbringt, ist kein Zeichen dafür, dass sie ein weichgespültes Fähnchen im Wind ist. S hat eine Meinung, die sie ganz klar vertritt. Unter den vielen Menschen, die lieber den Mund halten, die sich nicht trauen, ihre Meinung kund zu tun, ist das stark und bewundernswert. Wenn ihr etwas nicht passt, formuliert sie klar und sachlich überzeugende Argumente; und beeindruckt mich damit immer wieder. In manchen Situationen, in denen mir etwas ganz und gar nicht passt, ich aber nicht den Arsch in der Hose habe, das zu äußern, möchte ich mir gerne eine Scheibe davon abschneiden. Diese ehrliche Meinung bringt sie auch in unsere Freundschaft ein. Denn wenn sie findet, dass ich gerade ganz objektiv betrachtet Scheiße baue, dann sagt sie mir das ohne Umschweife direkt ins Gesicht. Wenn meine Gedanken mal wieder zum hundertsten Mal um den gleichen Ausgangspunkt kreisen, schafft sie es mit einer pointierten Aussage, das Karussell zum Anhalten zu bringen. Sie hält mir damit den Spiegel vor, der mir manchmal zu schwer zu Schultern ist.

Ganz am Rande, einzuordnen unter Trivia, aber absolut erwähnenswert: S ist, was Stilempfinden angeht, ein Leuchtturm für mich. Ob’s um die Wohnungseinrichtung oder Mode oder coole Locations (zum Beispiel dieses unfassbar geile Wellness-Hotel!) geht, kann ich immer auf ihr Auge und ihren Geschmack vertrauen. Jetzt, da ich das aufschreibe, merke ich auch, dass ich da eigentlich öfter mal nachfragen könnte. Sollte!

Danke, dass ich mich bei dir immer wie der wichtigste Mensch auf Erden fühlen darf und du mir immer deine ehrliche Meinung mitteilst.

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