Mein DIY Kaffee

Ich habe meine eigene Tasse Kaffee gemacht. Von der Bohne am Strauch über die Röstung bis zum Pulver. Die ganze Prozedur ist kraftaufwändig, aber der vorzügliche Geschmack des frisch aufgebrühten Getränkes entschädigt für die Anstrengung.

Es ist zu überlegen, das als tägliches Ritual zum Frühstück einzuführen. Möglicherweise komme ich ab nun zwei Stunden später zur Arbeit.

Nach der Tasse köstlichen DIY-Kaffees geht es über einen schlammigen Weg den Berg hinauf. Überall grün, Wald, fließendes Wasser. Von Zeit zu Zeit rutscht mein Fuß auf dem feuchten Untergrund ab, ich kann mich jedes Mal gerade so aufrecht halten.

Nach etwa einer Stunde ist das Ziel erreicht: Tosende Wassermassen stürzen sich eine mehrere hundert Meter hohe Klippe herunter. Das sieht entgegen jeglicher Erwartung nicht nach selbstmörderischer Demut aus, sondern nach erhabener Naturgewalt. Auch in zweihundert Metern Entfernung spüre ich die feinen Tropfen auf meiner Haut und bin nach einer Viertelstunde bewegungsloser Bewunderung (mit halboffenem Mund) beinahe durchtränkt. Das mag nicht der größte Wasserfall der Welt sein, aber es ist mein ganz persönlicher Augenblick des Staunens. Genau in diesem Moment verweigert die Kamera ihren Dienst. Die Belichtungszeit in meinem Kopf ist jedoch lang genug, um das Bild für immer darin einzubrennen. Die Bilder der Begleitung helfen bei weißen Flecken möglicherweise auf die Sprünge.


Der Weg führt wieder zurück über Schlamm und danieder liegendes Gras und ich sitze bald wieder im Auto Richtung Stadt. Während wir die holprige Straße nach unten hüpfen und unsere Köpfe mit dem Beat der Straße nicken, breiten sich vor mir dreitausendzweihundertfünfundachtzig Grüntöne in all ihrer Pracht aus und verkleiden die Bäume, die Wiese, die Sträucher und alles andere, was nicht rechtzeitig im Deckung gegangen ist. Ich blicke von oben auf eine unendliche Weite und laufe Gefahr, mich darin zu verlieren.

Mein Körper ist von der Anstrengung müde, die Hände und Füße übersät von Blasen, aber mein Geist ist hellwach. Ich bin genau hier. Genau jetzt. Dieser Moment ist alles.

Ich speichere dieses Gefühl in meinem limbischen System ab. Für den Fall, dass da mal kein Wasserfall oder Grünton oder frisch zubereiteter Kaffee ist.

Ich bin gesegnet.

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