Tag 1.

Nachdem ich mir die Nacht um die Ohren geschlagen habe, mich heimat- und grenzenlos gefühlt habe, habe ich nun endlich festen Boden und eine zuzuordnende geografische Angabe unter den Füßen.

Ich bin am International Airport Kilimanjaro angekommen. Und schon die Ankunft gestaltet sich äußerst erlebnisreich. Da Eva, die Besitzerin des Hostels, mir vorher per Mail erklärt hat, dass ich das Volunteer Visa bei ihr bekomme und dafür bereits 200 Dollar bezahlt habe, wundere ich mich über die Angestellten im Immigration-Büro des klitzekleinen Flughafens, der in etwa so groß ist wie der auf Sansibar. Oder Koh Samui. Winzig eben. Und ich fragte mich im Vorhinein noch, warum Eva mir schreibt, der Fahrer erwarte mich am Gate – ohne zu wissen, woher ich anreise. Jetzt weiß ich: es gibt nur ein einziges Gate. Die Dame will also 250 Dollar von mir, damit sie mir das Visum in meinen Pass klebt. Ich denke, verhandeln macht keinen Sinn, nachdem ich ihr zum fünften Mal erkläre, dass ich eine andere Information bekommen habe – nämlich die, dass ich nur 50 Dollar bezahlen muss und der Rest vom Hostel organisiert wird. Nein, verhandeln macht wirklich keinen Sinn, schließlich sitzt sie in ihrem Glashaus eindeutig am längeren Hebel. Und ehrlich gesagt, wollte ich nicht direkt am Flughafen schon wieder umkehren. Ich mache mich also auf die Suche nach einem ATM, aber wie ich das aus meinem vorigen Tansania-Urlaub kenne, ist die Funktion dieser Geräte hier beinhae divenhaft willkürlich. Auch diesmal zeigt sich die ausgemachte Zickigkeit des Automates – er sagt nur “Sorry” und lässt mich nicht an meine Finanzen. Irgendwie finde ich das gerade amüsant, denn: that’s life. Irgendwie weiß ich, dass es eine Lösung geben wird. Und ich meine damit eine Lösung, die mich nicht hinter Gittern verfrachtet.

Ich finde den Fahrer, der mich mit meinem Namen auf einem Schild geduldig empfängt und erzähle ihm von meinem Problem. Er ruft sofort Eva an und kommt mit mir an den Schalter, wo er weiter diskutiert. Ich verstehe selbstverständlich kein Wort. Er schlägt mir vor, dass wir meinen Pass hier lassen und den nächsten ATM suchen. Ich bin einverstanden, bin mittlerweile sogar bereit, noch einmal 250 Dollar zu bezahlen. Ich will endlich hier rein, rein nach Tansania! Mittlerweile sind der Fahrer und ich nämlich the last man standing am Flughafen Kilimanjaro. Ich habe keine Ahnung, was letztendlich geschehen ist oder wer die besseren Argumente hatte, jedenfalls bezahle ich 50 Dollar – so viel hatte ich dabei – bekomme einen Visums-Aufkleber in meinen Pass und darf gehen. Ohne Gefängnis, ohne doppelt zu bezahlen, ohne meine Freude zu verlieren.

Der Fahrer ist jetzt eindeutig mein Held des Tages. Das manifestiert sich auf dem eigentlich 50 Minuten dauernden Weg erneut. Eigentlich, da wir nach etwa zehn Minuten eine Reifenpanne haben, sodass das Auto ein wenig ins Schlittern kommt. Er regelt das mit einem vorbeikommenden Radfahrer und legt sich kurzum unters Auto; in seiner Lederjacke, mit Hemd. Schmutz ist hier absolut kein Thema, das zeigt sich auch später noch. Schmutz ist hier Teil des Alltags. Es ist unmöglich, nicht schmutzig zu werden. Ein paar Kilometer weiter fährt er in eine – nennen wir es mal Werkstatt – und baut unter fachkundigem Blick der KFZ-Mechaniker irgendein Teil ein. TÜV hätte der bei uns nicht bekommen, aber er fährt sich nun wieder einwandfrei. Als wir endlich im Hostel ankommen, begrüßen mich drei zauberhafte junge Frauen unfassbar herzlich und kümmern sich wie Mamas um mich. Eva, die Besitzerin des Hostels, Monica, ihre Schwester und Kate, die Köchin. Sie zeigen mir mein Zimmer, ich bin derzeit der einzige Volunteer, die anderen werden am Sonntag anreisen. Das bedeutet, dass die drei sich nur um mich kümmern und ich ganz exklusiv mein Essen zubereitet bekomme. Ich habe das Gefühl, dass das hier ganz großartig wird.

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