Curly World Problems

Meine ganz persönlichen Top Ten Curly Hair Problems. Ja, ich weiß. Es gibt schlimmere Probleme. Wenn der Nagellack nicht richtig trocken war zum Beispiel und man sich mit der Titelseite der französichen Ausgabe der Vogue aus Versehen eine Delle auf den Daumennagel gemacht hat. Aber das ist eine andere Geschichte.

#1 – Ich muss mir immer ganz genau merken, wie viele Haarnadeln ich in meiner Hochsteckfrisur verarbeitet habe. Warum? Weil ansonsten Folgendes passieren würde: Samstagabend, vor dem Schlafengehen. Ich nehme meine Hochsteckfrisur auseinander und entferne die Bobby Pins. Montagmorgen, in der Dusche. Beim shampoonieren der Haare sticht mir plötzlich ein spitzer, harter Gegenstand schmerzhaft in meine Handinnenflächen. Blut rinnt den Ausguss hinab. Will heißen: würde ich mir nicht die Anzahl der eingeflochtenen Haarnadeln merken, bestünde die ernstzunehmende Gefahr, dass ich die Dinger einfach nicht wiederfinde. Meist eben bis zur nächsten Haarwäsche. Vielleicht sollte ich auch darüber nachdenken, zusätzlich zur Menge die exakte geografische Lage anhand der Längen- und Breitengrade meines Kopfes zu notieren, damit auch wirklich keine verloren gehen kann.

#2 – Kämme sind nicht die besten Freunde der gelockten Frau. Man weiß, dass man es mit einer Frau mit Naturlocken zu tun hat, wenn sie erzählt, dass sie sich am Wochenende ihrer Schönheit gewidmet und dabei mal wieder ihre Haare gekämmt hat. Damit keine Dreadlocks entstehen. Klingt komisch, ist aber so. Ich glaube, ich habe meine tatsächlich erst vor ein paar Tagen gekämmt. Wie schön, dann habe ich die nächsten Wochen Ruhe.

#3 – Meine Freunde haben sich immer besonders lustige Späße mit meinen Haaren gemacht. Es gab irgendwann einmal zum Beispiel dieses Gerücht, meine Haare hätten die Fähigkeit, Funklöcher zu überbrücken. Ich weiß nicht, wer damals wie darauf gekommen ist, aber es gab eine Zeit, in der Freunde ihr Handy direkt neben meinen Kopf platzierten, wenn sie Anrufe oder SMS nicht empfangen konnten, weil sie dort angeblich eine bessere Funkverbindung hätten. Locken-LAN. Na prima.

#4 – Ich könnte niemals ein Verbrechen begehen. Oder die Affäre eines Mannes sein. Anhand der liegen bleibenden Locken, die ich überall, also wirklich ÜBERALL verteile, würde ich sofort gestellt werden, man würde mich finden, anklagen, an den Haaren herbeiziehen, an den Pranger stellen, auf immer und ewig wegsperren. Und das wegen ein paar gekringelten Beweisstücken – vom Haupthaar zur Rechtschaffenheit gezwungen.

#5 – Ich habe schon einigen Menschen eine Nahtoderfahrung beschert. Wer mich umarmt, wenn ich meine Haare offen trage, begibt sich in ernsthafte Erstickungsgefahr. Die Haare schmiegen sich sanft und bedrohlich zugleich um Nase und Mund und drängen darauf, diese zu verstopfen. Prustend und keuchend sind jene Menschen nach der Umarmung wieder zu Atemluft gekommen. Es tut mir Leid, ehrlich. Es gibt nur zwei Möglichkeiten: Haare zusammen- oder Körperkontakt unterbinden.

#6 – Meine Haare haben mir einen ziemlich beschissenen Spitznamen eingebracht. Es gab schon einige Spitznamen, die sich nette Menschen anhand meiner Frisur ausgedacht haben: “Locken-Fräulein” ist harmlos. “Löckchen” ist irgendwie liebevoll. Die “Frau mit den Kurven” ist relativ charmant. Aber wirklich fies wurde es bei “Fränz-Busch” – die kreative Namensgeberin hatte mich zuvor mit gekämmten Haaren gesichtet.

#7 – Wenn jemand mich mit offenen Haaren kennen gelernt hat und wir kein besonders intensives oder längeres Gespräch geführt haben, erkennt derjenige mich mit etwa achtzigprozentiger Wahrscheinlichkeit beim nächsten Treffen nicht mehr, wenn ich dabei die Haare zusammengebunden trage. Hm. Möglicherweise sollte ich den Zopf auch nicht immer so fest binden, damit die Gesichtszüge an Ort und Stelle bleiben.

#8 – Ich kann nicht mehr genau sagen, wie oft in meinem Leben ich schon dazu angeregt wurde, einen Afro zu tragen. Nein. NEIN. NEI-EN! ICH. WILL. KEINEN. AFRO. Erstens einmal: Ich habe dünnes, europäisches Spaghetti-Haar, das nur nach mehr aussieht, weil es sich lockt. Ich habe keine dicken, festen Afro-Haare. Das gäbe bei mir nichts anderes als einen Busch mit hängenden Ästen oder allenfalls ein wuscheliges Lammfell – kurz gesagt: einen Wischmopp, auf einem Gesicht platziert. Und zweitens: Ich bin ein Lange-Haare-Mädchen. Ich will, dass die Haare lang und lockig über die Schultern fallen. Also ich will das. Will, will, will das. Auch wenn diese Locken gefühlt nur drei Millimeter im Jahr wachsen.

#9 – Punkt acht führt dazu, dass ich seit meinem zwölften Lebensjahr die gleiche Frisur trage. Mal ein wenig heller, mittlerweile eher dunkler und dünner, aber mehr als einen Unterschied von zehn Zentimetern Länge gab und gibt es nicht. Wird es nie geben. Wenn andere sich vor dem nächsten Friseurbesuch stundenlang Frisuren von Stars ansehen und überlegen, ob sie jetzt doch lieber den Clavi Cut oder die Bangs schneiden lassen sollen, lächle ich nur müde. Mit einem Clavi Cut
würde ich aussehen, als wäre ich Möchtegern-Afro (wie oben beschrieben eben) und mit Pony, als hätte ich mich hinter einem Schäfchen versteckt und kurz mal zum Hallo sagen hervorgespitzelt. Und wenn sie dann auch noch ihr Glätteisen rausholen und ihre Haare divenhaft in große, weiche Wellen legen, dann will ich das auch. Also manchmal. Nur so, um mal meinen Typ zu verändern.

#10 – Ich mag es nicht, wenn jemand meine Haare anfasst. Und schon gar nicht, wenn jemand mit den Fingern durchfährt. Das hat einen ähnlichen Effekt wie das Kämmen. Nicht gut. Nicht schön. Siehe “Fränz-Busch”. Wenn also jemand mit seinen Händen meinem Kopf zu nahe kommt, gehe ich in Angriffsposition über und balle die Fäuste vor meinem Gesicht. Ich spreche eine kurze Warnung aus und scheue nicht davor, Gewalt anzuwenden. Ich wollte das nur mal gesagt haben; nicht, dass sich hinterher einer beschwert, wenn er mit Schürfwunden an den Händen nach einem Pflaster fragen muss. Aber eigentlich bin ich ganz nett, wirklich!

Um die ganze Problematik mit den Worten einer meiner Lieblingsbands auf den Punkt zu bringen:

And another thing

You have to know in this world

Cut up your hair

Straighten your curls

Well, your problems

Hide in your curls

(The White Stripes, Little Acorns)

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