Tag 32 von 46.

Über die Moral.

Der ständige Abgleich von Entscheidungen mit den eigenen moralischen Ansprüchen ist anstrengend, kräftezehrend und verlangt Mut.

Nachdem ich allerdings – leider – in der Vergangenheit allzu oft mit Handlungen von meinen moralischen Grundsätzen abgewichen bin, weiß ich: immer, ja wirklich immer, kommt da dieser Moment, in dem einem das auf die Füße fällt. Hart, laut, schmerzhaft.

Ich glaube, dieser Abgleich der Möglichkeiten mit der Moral findet nicht im Kopf, sondern vielmehr im Bauch statt. So banal wie naiv es klingen mag: es ist doch eigentlich das Bauchgefühl, das das moralische Manifest unseres Geistes überwacht. In Zukunft werde ich auf mein Bauchgefühl hören – wieder und mehr. Von dem Ausdruck “sich selbst treu bleiben” halte ich nicht viel; wer bin ich, dass ich mir treu bleiben könnte? Was ist mein Wesen, mein Charakter? Da ich mich selbst nicht in Gänze erfassen und bilanzieren kann, wie kann ich mir treu bleiben, ohne die Möglichkeit einer Veränderung meines Weges damit einzuschränken? Ich will mich verändern, verbessern und manchmal verlieren. Besser als mir treu zu bleiben finde ich, meiner Moral treu zu bleiben. Mag ich in drei Monaten ein anderer Mensch sein, weil ich mir nicht treu war, so werde ich mir selbst dafür danken; aber – und das habe ich gelernt: wenn ich ein anderer Mensch werde, dann immer unter den selben moralischen Maßstäben.

Zwei Dinge erfüllen das Gemüt mit immer neuer und zunehmender Bewunderung und Ehrfurcht, je öfter und anhaltender sich das Nachdenken damit beschäftigt: Der bestirnte Himmel über mir, und das moralische Gesetz in mir.

Immanuel Kant

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