Nachmittag auf dem Balkon

Wir sitzen auf dem Balkon. Die Aussicht ist nicht schön, wir schauen geradewegs auf eine Straße. Aber es fahren nicht viele Autos vorbei und in den Gärten nebenan ist niemand zu sehen. Wir essen Erdbeerkuchen. Ohne Sahne, die magst du nicht so gerne. Wir trinken den Tee, den ich heute morgen gekocht habe. Mittlerweile ist er kalt. Von drinnen höre ich leise Musik. Es ist das Radio, das du vergessen hast, auszumachen. Das macht nichts, es läuft Lou Reed und das Lied passt gerade so gut. Oh, it’s such perfect day. Die Sonne scheint auf unsere Nasen und lässt uns die Augen schließen, weil sie so blendet. Ich bin zu faul, die Sonnenbrille von drinnen zu holen. Deine Hand krault meinen Nacken und wir sagen nichts. Die wenigen Menschen, die unten vorbeilaufen, schauen nach oben zu uns. Vielleicht sind sie neidisch. Weil wir einfach so hier sitzen und Kuchen essen und du meinen Nacken kraulst. Manchmal winkst du mit der anderen Hand nach unten, das ist ihnen peinlich und sie schauen wieder weg. Wie schön, dass wir nicht über Fußball sprechen. Oder die Arbeit. Wir haben auch kein Mobiltelefon oder andere Geräte hier auf dem Balkon. Aus dem Augenwinkel sehe ich, dass du mich anschaust. Ich tue so, als würde ich das nicht merken. Ich will nicht, dass du damit aufhörst. Ich höre die Blätter der Pflanze neben mir im Wind rascheln. Und von weiter weg weht ein rauchiger Geruch her. Irgendjemand grillt. Ich weiß, dass du davon Hunger bekommst. Das ist immer so bei dir.
Dann sagst du doch etwas. Du sagst, dass du gern öfter hier sitzen würdest. Mit mir. Oder wo anders. Hauptsache mit mir.

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