Von Gladiatoren und Weltverbesserern

Es gibt ein paar Dinge auf der Welt, bei denen ich mich immer frage: „Häh? Was soll das?“ Das ist zum einen Fußball und zum anderen ist das Germany’s Next Topmodel. Ich bin eine der Frauen, die Fußball nur deshalb schaut, weil vielleicht ab und an mal ein hübsch anzusehender Mann vor die Kamera läuft (trotzdem weiß ich, was Abseits bedeutet!) und weil ich solidarisch und loyal bin. Und GNTM gucke ich mir an, weil ab und an mal,… ja, was eigentlich? Nicht, weil die „Meeedchen“ besonders schön wären, denn der äußere erste Eindruck ist meist mit dem ersten Öffnen des Mundes komplett zunichte gemacht. Ich glaube, in diesem Falle ist es eher ein unbestimmter Drang nach bekleidetem Voyeurismus.

Jedenfalls schaue ich mir entweder so ein Fußball-Spiel und – am allerfurchtbarsten und auch nur gezwungenermaßen – die Vor- und Nachberichterstattung oder eben eine Folge GNTM an und nach etwa einer halben Stunde, wenn die Vernunft über die Faszination siegt, fühle ich so eine Frage drängend in mir aufsteigen: „Wozu um alles in der Welt gibt es das? “ Männer, die über Fußball reden, als hätten sie den Hunger in der Welt bekämpft oder pubertierende Mädels, die meinen, ihr Walk über den Laufsteg wäre gleichbedeutend mit der Aidsbekämpfung? Dann wird mir die maßlose Dummheit des jeweiligen Unterfangens bewusst und ich frage mich, warum ich es trotzdem immer wieder ansehe. Fußballspieler tragen kein bisschen zur Weltverbesserung bei. Sie verdienen Millionen, fahren geile Karren (die mich richtig neidisch machen) und haben die schönsten Frauen – sogar der Schweinsteiger. Sie stellen nichts her, sie verkaufen nichts und trotzdem werden Fußballer gegen viele Millionen Ablöse von Verein zu Verein geschoben. In dieser Fußballwirtschaft steckt ja nun wirklich eine Menge Geld. Eine Riesenmenge Geld: Allein im Merchandising hat der FC Bayern 2011/2012 57,4 Millionen Euro eingenommen. Und die Gespräche nach den Spielen erwecken den Eindruck, dass es um etwas richtig Wichtiges geht. Für das Weiterkommen der Gesellschaft halte ich meinen Job für eindeutig wichtiger und demnach stark unterbezahlt, wenn man bedenkt, dass Philipp Lahm ein Jahresgehalt von zehn Millionen Euro überwiesen bekommt – das ist fast das 278-fache meines kläglichen Einkommens.
Ich möchte nun wirklich niemanden enttäuschen, aber nein – Fußball ist nicht wichtig. Genau wie die Darsteller von Verbotene Liebe oder die Zeichner von den Simpsons sind Fußballer reine Entertainer. Sie könnten auch Gladiatoren sein, die sich gegenseitig verprügeln oder von Tieren angreifen lassen. Schließlich gehen Fußballer genauso an ihre körperlichen Grenzen, brauchen ihren Kopf nicht besonders doll anzustrengen und sehen muskulös aus. Das gleiche kann man über GNTM sagen. Die jungen Damen bekriegen sich bis aufs Blut und bekommen Applaus, wenn sie eine Choreografie richtig ausführen, die – aufgepasst! – eine Drehung und eine Pose beinhaltet. Alleine die Performance von Beyoncé auf der Bühne beinhaltet mehr Tanzschritte in einer Minute als zehn der Walks der GNTM-Mädels.

Ich weiß, Klischees sind doof und es sind bestimmt auch nur welche, wenn man behauptet, dass Fußballer und Models nicht so viel im Kopf haben. Aber mal ehrlich: Ein Mensch, der aufgrund seiner Intelligenz in die Forschung gehen könnte, wird sicherlich nicht Fußball-Spieler und ein Mädchen, das sich auf der Höhe seiner geistigen Leistungsfähigkeit befindet, bewirbt sich doch nicht bei einem Fernseh-Format, bei dem die Wahrscheinlichkeit, sich völlig lächerlich zu machen, bei 95 Prozent liegt.

Die Frage, die dann folgt, liegt ja nun auf der Hand: Warum schauen sich Millionen von Menschen trotzdem genau das im Fernsehen an? Und die Antwort ist so einfach: Wir wollen uns nicht anstrengen, gleichzeitig aber Emotionen spüren. Nicht mehr und nicht weniger.

Zu guter Letzt fällt mir eigentlich nur eines ein: Wir sollten die Fußballer und die Model-Debütantinnen zusammen bringen. Das wäre die perfekte Symbiose: Durchtrainierte Männer und relativ schöne Mädchen. Die brauchen sich kaum unterhalten, können sich den ganzen Tag anschauen und gegenseitig beim Laufen beobachten. Die einen schnell und mit einem Ball, die anderen langsam, dafür aber mit zwei Bällen/Bällchen.

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