Tag 1.3

Ich denke an dich, wenn es regnet. Du hast immer gesagt, du magst den Regen. Also höre ich genau hin, wie die Tropfen auf Teer, Blätter und Dächer prasseln. Mal laut und bedrohlich. Mal sanft und leise. Rücksichtslos kräftig und sorgsam nährend zugleich. Wenn der Regen nachlässt, und auf den Grashalmen die letzten verbleibenden Tropfen sich vorsichtig im Sonnenlicht spiegeln, füllt sich die Natur mit vollkommenem Glück. Ich weiß, warum der Regen dir gefällt. Du bist wie er.

Dann kommt der Winter und die Tropfen werden zu fragilen Kristallen. Getriebene des Windes. Lautlos und behutsam tasten sich die Schneeflocken auf dem Boden, auf den Dächern und auf den kahlen Bäumen vor. An einem guten Tag dürfen sie sich unbeschadet niederlegen, an anderen Tagen verschmelzen sie mit dem nassen Asphalt zu einem schmutzigen Konglomerat aus Staub und Wasser.
Vielleicht bin ich eine dieser Flocken und wir sind rastlose Kinder verschiedener Jahreszeiten. Aber manchmal, das weiß ich, regnet es auch im Winter.
Ich denke an dich, wenn es regnet.

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