Tag 22

“Ich wollte ihm immer mal ein Lied schreiben. Nicht, weil ich besonders gut singen könnte oder auch nur ansatzweise ein Instrument spiele, das als Begleitung dienen könnte. Es lag eher an der romantischen Vorstellung, dass es in dieser Welt eine Aneinanderreihung von Tönen geben würde, die nur für ihn diese eine besondere Melodie ergeben würden. Und dazu ein Text, der weder pathetisch noch schnulzig wäre, sondern einfach nur eine Widerspiegelung seines Ichs. Das war sein Lied. Sollte sein Lied sein. Ich kann mich noch genau erinnern, wie oft ich in meinem Zimmer am Schreibtisch saß und an den richtigen Worten gefeilt habe. Es gelang mir nicht. Was ich zunächst noch auf Papier versuchte, wurde schließlich am Laptop weitergeführt, da die "Entf”-Taste schneller betätigt werden kann, als ich jemals radieren, geschweige denn Blätter zerknüllen könnte. Irgendwann habe ich aufgegeben. Irgendwann war von meinem Versuch, ein – nein, DAS – Liebeslied zu schreiben, ein kläglicher Haufen Worte übrig geblieben, die nebeneinander platziert so pathetisch wie schnulzig klangen.
Vielleicht wird es irgendwann den Weg in ein Erstklässler-Poesiealbum finden.“
"N alten Scheiß. Das geben wir dem Hinterseer.”

Schreibe einen Kommentar