zweiundzwanzig: heute bin ich mal nicht perfekt.

Adventskalender 22

Perfektionismus ist eine weit verbreitete Seuche. Man könnte sie schon fast als Epidemie bezeichnen. Wenn dieser Perfektionismus überhandnimmt und die Unbeschwertheit des eigentlich unerträglich leichten Seins einschränkt, dann ist es vielleicht an der Zeit, ein bisschen unperfekter zu werden.

Morgens wollen wir überpünktlich aufstehen und nach einem super gesunden Frühstück mit dem perfekten Make-up und perfekt sitzenden Haaren das Haus verlassen. Dann wollen wir uns an unserem Arbeitsplatz zu 183 Prozent einbringen, alles geben, all unsere Kompetenz und Schaffenskraft aufbringen. Sämtliche Aufgaben wollen wir in höchster Perfektion bearbeiten, alle Kolleginnen und Kollegen und den Chef wir mit ihren Anliegen vollkommen zufrieden stellen. Wir wollen ja schließlich auch gelobt werden. Und anschließend gehen wir ins Fitnessstudio, klemmen uns neben nach Schweiß stinkenden Muskelpaketen in irgendwelche scheiß Geräte, stemmen unter komischen Verrenkungen Hanteln in die Luft, haben vielleicht gar keine Lust drauf, lächeln aber trotzdem, wir sind schließlich topfit und wollen einen perfekt definierten Körper haben.

Das ist ja alles wunderbar, tiptop und dem Leistungsniveau unserer Gesellschaft sehr zuträglich, wenn jeder 200 Prozent gibt. Auf Dauer ist das aber nicht umsetzbar, weil es ja eigentlich nur 100 Prozent gibt und Mathe ist ein Arschloch und wer deshalb länger auf über 100 Prozent läuft, der fängt irgendwann an zu qualmen. Und zwar aus allen Poren und Ritzen. Das Problem des Perfektionismus ist doch eigentlich, dass man viel zu hohe Ansprüche an sich selbst stellt und je mehr man perfekt machen will, desto erschöpfter wird man und kann die eigenen Ansprüche immer weniger erfüllen. Das ergibt dann irgendwann eine Abwärtsspirale aus Unzufriedenheit, die zu völliger Frustration führt. Es gibt nun zwei Stellschrauben: Entweder gibt man noch mehr und ignoriert das Ächzen im Gebälk oder man schraubt die Ansprüche herunter. Wir entscheiden uns nicht für ersteres, weil wir ja schlau sind und wissen, dass wir damit irgendwann mit Burnout im Bett liegen oder irgendwelche körperlichen Stresssymptome bekommen. Wir entscheiden uns dafür, unser perfektes Bild von uns selbst, das oftmals soweit von unserer jetzigen Person weg ist wie die Erde von der Sonne, ein wenig nachsichtiger zu gestalten. Menschenfreundlicher und realistischer. Wir sind schließlich keine Maschinen. Und selbst Maschinen fangen bei ständiger Höchstleistung irgendwann zu qualmen an. Ich finde, das war eine sehr gute Beweisführung für die heutige Aufgabe, vielleicht nicht perfekt, aber: scheiß drauf!

Heute schrauben wir unsere Ansprüche an uns selbst mal ein bisschen runter, in jeglicher Hinsicht. Heute versuchen wir mal nicht, 183 Prozent zu geben, sondern vielleicht nur 100. Oder auch mal nur 83, man kann schließlich nicht immer alles perfekt machen. Weder bei der Arbeit, noch in einer Beziehung, noch in einer Freundschaft oder sonst wo. Heute setzen wir uns mal realistische und erreichbare Maßstäbe.

Heute bin ich mal nicht perfekt.

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