héroïne

Drei Wochen ist der letzte Text her. Und dann hat es mir die Sprache verschlagen. Die Worte sind mir in den Fingerspitzen stecken geblieben, wollten nicht auf die Tastatur. Es ist auf einmal so viel passiert, aber eigentlich auch nicht, eigentlich war das alles nur in mir.

Gerade, wenn man denkt, man erstickt an der Langeweile, die der eigene Körper ausdünstet; wenn man sich so lange auf der Welle der Gleichförmigkeit hat treiben lassen, passiert auf einmal das Leben. Dann wird es laut und schmerzhaft und grell und lacht einem kreischend ins Ohr. Ohne Musik im Ohr und immer bewegen, bewegen, bewegen ist das nicht auszuhalten, weil es so viel ist. Manchmal zu viel. Dann gehe ich im Zuviel auf und werfe mich voller Inbrunst in all die Emotionen, die doch eigentlich viel zu grell, zu laut, zu schrill sind. Diese Welle ist nicht gleichförmig, kein bisschen ist sie das; hin und wieder schmettert sie mich an die Klippen der Realität und dann wieder spült sie mich an einen weißen Sandstrand, wo die Sonne für eine dichte Endorphin-Decke sorgt.

Aber manchmal ist das Zuviel nicht mehr auszuhalten und ich will einfach nur die Augen und Ohren zumachen; die Stille hören, die mich unter der Welle umschließt.

Einen Moment lang hat sich dann doch meine Ratio zu Wort gemeldet und mir geflüstert: Du bist nicht Jesus, mein Kind! Nach einem kurzen bis elend langen Aber und eben so langem Nachdenken habe ich ihr Recht gegeben. Wir können so vieles sein, aber nicht Jesus. Das wäre anmaßend. Ich kann meine Gefühle nicht von meiner Ratio trennen, so sehr ich mich auch anstrenge. Derjenige werfe den ersten Stein, der das zu seinen Talenten zählt. Mein Herzmuskel ist stärker trainiert als die reine Vernunft. Ich bin halt doch nur ein durchschnittlicher Mensch und auch wenn ich große Worte übers Vergeben geschrieben habe, ich kann nicht vergeben, wenn diese Vergebung nicht mehr als einen Schleier des Verdrängens über den Schmerz legt. Ich bin nicht Jesus. Für deine Sünden werde ich nicht leiden.

Die Pläne, die ich mache, reichen gerade von hier bis Mittag, vielleicht noch zum nächsten mal Aufstehen, aber nicht weiter, niemals. Vordergründig, weil man vorgibt, offen und flexibel zu sein, und hintergründig, weil man einfach nur Angst vor Enttäuschung hat, weil man doch genau weiß, wie das letztes Mal ausgegangen ist.

Gerade, als ich mir ein Kaninchen zulegen will, weil ich etwas plüschiges zum Streicheln möchte, klingelt es an der Tür. Jetzt kann ich streicheln, aber man will ja irgendwie auch zurückgestreichelt werden. Ich könnte einem Kaninchen gerade so vergeben, dass es nicht zurückstreichelt, weil das mit den Pfoten vermutlich ohnehin nicht so angenehm wäre. Aber so, wie ich nicht Jesus bin, bist du auch kein Kaninchen. Wir sollten alle mehr zu unserem eigenen Kern finden.

Ich kann mich keine fünf Minuten lang sortieren, meine Gedanken beisammen halten, ich kann nicht einmal fünf Minuten beim Essen sitzen, ich stehe ständig auf, mein Fokus zerstreut sich im Sprühnebel der Unruhe. Wenn das Leben passiert, gibt es eigentlich so vieles zu Schreiben, aber ich konnte nicht, weil es gelebt werden wollte. Das Leben schreibt man nicht, das lebt man.

Es hat mal wieder geklingelt. Das Leben. Es ist zwei Wochen weg, hat es gesagt. Ich esse Nudeln mit Tomatensoße, dann kann mein Körper bald vor Langeweile triefen, bis sie mir wieder bis zum Hals steht. Ich überlege gerade noch, wie Jesus das wohl finden würde.

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