10 Gründe, Ljubljana zu besuchen

Mein Besuch in Ljubljana vor wenigen Wochen hat mich nicht nur in das temporäre Zuhause meiner Soulsister geführt, sondern auch in eine wunderbar verträumte, idyllische Stadt im Südosten von Mitteleuropa.

Da ich geschimpft wurde, als ich einer Slowakin sagte, Slowenien sei in Osteuropa („Nicht alles östlich von Deutschland ist Osteuropa! Oder ist Österreich etwa Osteuropa?“), bin ich vorsichtiger mit Angaben von Himmelsrichtungen. Slowenien also, irgendwo im östlichen Mitteleuropa auf dem westlichen Balkan. Oder so ähnlich. Und wenn wir jetzt mal auf geografische Korinthenkackerei scheißen, dann sage ich einfach: Ljubljana, Haupstadt Sloweniens, die mir nordnordöstlich in der rechten Herzkammer, ausstrahlend in die südwestliche Hemisphäre der linken Herzhälfte, ein wohlig warmes Gefühl gibt. Oder so ähnlich. Warum das so ist: zehn Punkte, deretwegen ich mich ein bisschen verliebt habe. Vielleicht ist meine Sicht verklärt, weil ich ja nur hierher gefahren bin, weil ich die platonische Liebe meines Lebens besuche, aber das weiß ich nicht, das werde ich nie erfahren. Aber ihr könnt es rausfinden. Ihr müsst nur hinfahren.

  1. Essen. Getränke. Bester Hauswein für unter 2 Euro. Wir sitzen morgens, mittags, abends in Cafés und Restaurants an der Ljubljanica, manchmal brennt uns die Sonne auf die Köpfe, manchmal umhüllt uns die Nacht und eine wohlige Berauschtheit, gepaart mit Glückseligkeit. Und manchmal sitzen wir am Mestni Trg, trinken Gin mit Rhabarber und Himbeeren draußen vor Pritlicje. Es empfiehlt sich grundsätzlich, immer den Hauswein zu trinken. Der ist immer gut. Meist slowenisch. Und unglaublich günstig. Und dann das Essen! Ein bisschen günstiger ist es hier schon. Aber sind wir mal ehrlich, wenn man jeden Tag dreimal essen geht, stehen auf der Endabrechnung dann halt doch mehr als dreimarkfünzig. Ziegenkäse-Salat im Romeo, als Nachtisch Rhabarber-Crèpes (kann ich mich darin bitte wälzen oder würde das komisch aussehen?), indisch im Namasté, libanesisch in der Trubarjeva Cesta, überhaupt die beste Straße, um bestes Essen zu finden. Und in den kulinarischen Himmel kommt man, wenn man auf den Street Food Markt geht. Immer freitags, von März bis Oktober kann man sich durch den Open Kitchen Food Market essen. Wechselnde Restaurants aus Slowenien bereiten ganz frisch Gerichte zu, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Bei mir gab’s Burger mit schwarzem Bun und unfassbar geilem vegetarischen Patty. Ich bin so begeistert, wie viele gute vegetarische und vegane Burger es mittlerweile überall gibt. Das ist ja etwas, worauf man kaum verzichten kann, wenn man nicht wie ein Asket leben möchte. Als ob das nicht schon völlig ausreichend für einen Besuch in Ljubljana wäre, gibt es sogar noch neun Gründe mehr.
  2. Ljubljana ist klein und schnuckelig, man kann überall hinlaufen in der Innenstadt, sogar rauf zur Burg kann man laufen, auch wenn es einen Lift gibt. Aber wir essen viel, also laufen wir auch viel, wir wollen schließlich wieder Hunger haben für all die Köstlichkeiten. Aber zurück zu klein und schnuckelig: Obwohl man überall hinlaufen kann und die ganze Stadt eine gemütliche Idylle ausstrahlt, hat es doch einen internationalen Flair, überall trifft man internationale Studenten und Menschen, die von überall her nach Ljubljana kommen. Wie Ljubljana sich überraschenderweise nicht anfühlt: nach Balkan. Es scheint eher österreichisch, süddeutsch, ein wenig mediterran. Ich bin völlig ohne Erwartungen hierher gekommen und hatte doch ein wenig Balkan Feeling erwartet. Damit habe ich aber nicht gerechnet. Klein und schnuckelig.
  3. Kultur gibt’s hier zur Genüge – und das oftmals auch noch for free. Eine Alternative Tour mit Kunst-Spots, Jazz unter freiem Himmel, eine Brass Band mit oberkörperfreien Bläsern und Trommlern, es gibt immer was zu sehen. Und das oft völlig umsonst. Dann bleibt man eben mal eine Viertelstunde auf einer Brücke stehen, weil da drei junge Männer ganz gechillt Jazz jammen und man nicht anders kann, als ihre Hingabe für einen Moment zu teilen, um ihnen dann ein paar Münzen in die Box zu werfen. Keine hundert Meter muss man laufen, um Kultur – Kunst und Musik – zu sehen und hören und fühlen.
  4. Ljubljana ist sauber und grün. Nicht umsonst ist die slowenische Hauptstadt 2016 „Grüne Hauptstadt Europas“ geworden. Mülltrennung ist hier einfach und vor allem einfach normal, Autos dürfen nicht in der Innenstadt fahren, Fahrräder und für bewegungseingeschränkte Personen Elektroautos mit Fahrer sind leichter zu bekommen als ein Taxi nachts um halb fünf in Deutschland. Grün ist es auch im Tivoli Park, eine riesige Anlage, wo man sich bewegen, schlafen, lesen, Kaffee trinken oder andere wichtige Dinge tun kann. Ein Paradies für die sonntägliche Auszeit oder auch ein katerfreundliches Ausnüchterungszentrum. Grün ist wohl wirklich Ljubljanas Farbe – und sie steht ihr gut.
  5. A propos Fahrrad: In Ljubljana kann man sich Fahrräder ausleihen; für drei Euro im Jahr kann man sich an den 50 Stationen in der Stadt für eine Stunde ein Fahrrad holen. Wir können das nutzen, weil C. hier seit einem halben Jahr lebt, ich weiß nicht, ob das auch eine gute Möglichkeit für Touristen ist, aber für uns ist das die grandioseste Art der Fortbewegung. Wir wohnen ein wenig außerhalb, zum Laufen zu weit, Busfahren wollen wir nicht, also fahren wir die zehn Minuten in die Stadt. Vorher checkt sie per App immer ab, ob an der von ihrer Wohnung aus nächsten Station Bikes verfügbar sind, und ob dort, wo wir sie abstellen wollen, ein freier Platz ist. Dann zücken wir die Chipkarten, halten sie an den Automaten, geben den PIN ein, suchen uns ein Fahrrad aus und nehmen es aus dem Ständer. Und los geht’s.
  6. Feiern ist easy. Weil Ljubljana so schnuckelig klein ist, weiß man abends immer, wo man hingehen kann, weil da eben sowieso alle hingehen. Wir gehen da also auch hin. Rog und Metelkova sind besetzte ehemalige Fabriken, heute ist hier Kunst und Party und größtmögliche Alternativität. In Rog versuchen sich ein paar britische Mädels an einer Pole, sie haben wohl die ersten drei Stunden im Poledance-Kurs hinter sich gebracht und bieten eine vor allem lustige bis peinlich berührende Show (das war leider einmalig, das werdet ich ihr wohl eher nicht zu sehen bekommen, wenn ihr da hinfahrt). In Metelkova kommt eine aus unserer Gruppe mit einem Hund an. Hat sie sich kurz mal besorgt. Geborgt. Geklaut. Was auch immer. Spannende Menschen laufen, tanzen, sitzen hier herum. Tage später laufen wir auch mal bei Tageslicht hier herum. Faszinierend, hier sieht es tags wie nachts irgendwie abgefuckt und gleichzeitig ästhetisch aus. Bei solchen Einrichtungen kippt die Atmosphäre ja ganz schnell in das Thema Auffanglager für sozial Abgestürzte, aber ich glaube, hier wird wirklich auch gearbeitet; künstlerisch und auch sozial. Jedenfalls, zurück zum Feiern: Ich gehe mal davon aus, die Stimmung hier ist immer garantiert; garantiert positiv nämlich. Das schließe ich auch aus den Erzählungen der C. Und ich meine, sie muss es wissen, sie hat ja da gelebt.
  7. Ljubljana ist der perfekte Ausgangspunkt für jegliche landschaftliche Beschaffenheit (außer Wüste, sorry). Man ist innerhalb kürzester Zeit entweder am Meer, oder in den Bergen, in Österreich, Italien, Kroatien. Die Konturen der Berge rahmen die Stadt ein und bei gutem Wetter, am besten von einem erhöhtem Punkt aus, sieht man sich selbst in Wanderschuhen mit Rucksack auf dem Rücken durch die Alpen marschieren. Und dann das Meer, sich abkühlen bei fast vierzig Grad, ein Sprung in die Adria, sich verschlucken am Salzwasser und laut prusten. Herrlich. Ein Sommer, wie er sein soll. Und das mit Ljubljana als Basisstation. Und wer mehr Balkan Feeling will, fährt eben noch weiter nach Osten, vielleicht irgendwann bis nach Belgrad, um ein paar Ausläufer meiner Wurzeln zu suchen.
  8. Es ist zwar nicht ihr natürlicher Habitat und ich vertrete stark die Meinung, Tiere sollten in ihrem natürlich Habitat leben (deswegen finde ich es auch zweifelhaft, dass sich Spinnen in meine Wohnung verirren), aber trotzdem, ich bin hin und weg: Hier leben in einem Hinterhof Pfaue. Ja, wirklich, diese Vögel mit den bunten, langen Schwanzfedern. C. nimmt mich mit zu einem Haus, wir laufen zum Hinterhof und da sitzt er. Auf einem Geländer lässt er seine Pfauenaugen baumeln. Ein bisschen macht er das vielleicht wegen uns oder wegen der Pfauenfrau, die auch hier herumspaziert. Wer weiß das schon so genau.
  9. Sonnenuntergang auf der Burg. Ich erwähne das nicht zum ersten Mal. Der ein oder andere wird jetzt die Augen verdrehen. Aber ich habe eine große Schwäche für Sonnenuntergänge (aber andererseits, wer hat das nicht?) und von der Burg aus kann man die Sonne bei ihrem täglichen Überschreiten des Horizonts beobachten. Idealerweise nimmt man sich ein Picknick mit, hamwer nicht gemacht, ging auch so. Aber man muss ja Optimierungspotenzial offen lassen. Jedenfalls sitzt man dann da so auf einer Mauer, die Füße hängen in der Luft herum (besser man zieht die Birkenstocks vorher aus, die fallen schneller als man gucken kann) und dann schaut man einfach ein bisschen debil in den Himmel. Ich meine, wir bestaunen etwas, das jeden Tag aufs Neue passiert, jeden Tag geht die Sonne unter und immer wieder geht sie auf, was für ein Durchhaltevermögen – da muss man doch debil gucken. Oder ist das die wertvollste menschliche Fähigkeit, dass wir von der größten Schönheit, die zugleich die alltägliche Obligation der Sonne ist, niemals satt werden?
  10. Ljubljana heißt Geliebte. No more words needed.

 

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2 Kommentare

  1. Wolfgang sagt: Antworten

    Fahr‘ im September auch nach Ljubljana, und bin jetzt noch ein bisschen mehr angefixt. Hvala.

    1. Gern geschehen. Ich wünsche dir eine grandiose Zeit dort!

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